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Kanada49

Drei Wochen Roadtrip an der Ostküste Kanadas – das Sommerurlaubsziel meiner Freundin Verena (25) und mir. Obwohl der Sommer hier im Rheinland schon fast vorbei war als wir Ende August in den Flieger nach New York stiegen. Doch am John F. Kennedy Airport erwarteten uns 30°C und strahlender Sonnenschein und in Toronto war es nur wenige Grad kühler. Der Urlaub konnte starten. Auf unseren 3000 Kilometern durch Kanada begleitete uns ein Geländewagen, den wir „Leonie“ tauften. Mit Start in Toronto fuhren wir am Lake Ontario entlang Richtung Montreal, via Kingston, dann weiter den Saint Laurentides nach Québec City, zurück durch die Region Mauricie nach Ottawa, weiter in den Algonquin Nationalpark und schließlich zu den Niagarafällen, bevor es von Toronto aus zurück nach Deutschland ging. Hier nun einige kleine und große Erlebnisse unserer Reise:

Immer wieder … Parkplatz finden
Drei Wochen Roadtrip bedeutete nicht nur 3000 Kilometer zu fahren, sondern auch, bis auf drei Ausnahmen, im Auto zu übernachten. Unser Bett bauten wir uns jeden Abend auf der Ladefläche und der umgeklappten Rückbank mit Isomatte und Schlafsack. Klein zu sein, hatte jetzt endlich mal einen entscheidenden Vorteil: Ich konnte auf unserem Bett zum einen aufrecht sitzen und viel wichtiger, mich komplett ausstrecken. Der Umbau im Auto wurde schnell zur Routine, doch die Suche nach einem geeigneten Parkplatz war jeden Abend ein neues Abenteuer. und morgens meist ein weiteres, wenn man im Hellen nochmal genauer sah, wo wir eigentlich geparkt und übernachtet hatten. Die Herausforderung war einen öffentlichen Parkplatz zu finden, auf dem wir einerseits nicht auffielen, da wir nicht sicher waren ob es offiziell erlaubt ist im Auto zu schlafen, und zum anderen durfte es nicht zu hell oder zu laut sein. So sind wir einerseits auf einsamen Kirchen- oder Friedhofsparkplätzen gelandet, und andererseits neben einer extrem lauten Lüftung in Toronto, an einem kleinen Sumpf samt Stechmückenplage kurz vor Montreal und in Ottawa standen die ganze Nacht Polizeiwagen hinter unserem Auto. Zum Glück konnten wir immer durchschlafen und es hat uns niemand vom Parkplatz gejagt.

Experimentierfreudig – Feuchttücher & Co.
Unser Geländewagen wurde für uns schnell zum rollenden Zuhause und die schon in Deutschland eingekauften Feuchttücher zu Helfern in allen Lebenslagen. Denn Topf und Geschirr müssen gespült werden, ebenso wie man sich gern mal die Hände oder das Gesicht wäscht. Erst wenn es einem fehlt, fällt auf wie alltäglich man Wasser benötigt, abseits vom Trinken. Feuchte Tücher helfen über die kleinen Probleme hinweg, doch Haare waschen und duschen funktioniert damit trotzdem nicht. Am Anfang experimentierten wir noch mit Trockenshampoo, kurz darauf gönnten wir uns eine Dusche an einem Truck Stop für stolze neun Euro pro Person. Wenige Tage später entdeckten wir auf dem Weg von Montreal nach Québec City die Lösung für unser Problem: Haare waschen über dem Waschbecken öffentlicher Toiletten. Nicht täglich aber doch regelmäßig konnten wir nun ab der zweiten Woche unseres Urlaubs zumindest Haare waschen, und für die tägliche Katzenwäsche mussten die Feuchttücher reichen. Eins darf man bei dieser Reiseform nicht sein: übermäßig empfindlich was Sauberkeit und Hygiene angeht. Im Gegenteil man sollte sich anpassen können und bereit sein auf Komfort zu verzichten.

Racoons – ungebetene Gäste
In der zweiten Hälfte unserer Reise verbrachten wir einige Tage im Algonquin Provincial Park. Ein mittelgroßer Nationalpark am Highway 60 nördlich von Toronto. Dies waren die einzigen drei Nächte, die wir auf dem gleichen Campingplatz und ein und demselben Stellplatz geschlafen haben. Die erste Nacht sogar in einem geliehenen Zelt, doch bei unter 5°C nachts, war uns das Auto da doch lieber. Der Campingplatz war mitten im Wald und in der Gegend gibt es schon Elche und Bären. Die sind uns nicht begegnet, dafür allerdings vier ziemlich freche Waschbären. Am ersten Abend dort sollte es zum Abendessen eine Suppe mit Gemüse geben und wir wollten Würstchen über dem Feuer braten. Das Feuer brannte nach einigen Anlaufschwierigkeiten schon ganz gut und die Suppe köchelte vor sich hin. Verena schaute gerade nach dem Zelt etwa 3 Meter von unserem Tisch und dem Feuer entfernt. Mir fehlte etwas für das Essen und ich ging zum Auto, dass nur wenige Meter vom Zelt wegstand. Inzwischen begann es zu dämmern und man sah immer weniger. Plötzlich hört Verena hinter sich das Geschirr klappern. Sie dreht sich um, fragt nach mir, kann mich aber nicht sehen. Noch mehr Geschirrklappern. Sie geht zum Tisch und vor ihr zwei Waschbären auf dem Tisch und zwei laufen ums Feuer herum. Frech wie sie sind, lassen sie sich kaum verscheuchen. Sie ruft nach mir und erst in dem Moment, als sie ruft „Anna-Lena, da sind Waschbären!“ bemerke ich erschrocken, was eigentlich passiert ist. Die beginnende Dunkelheit hatte Geräusche und Bewegungen schon fast komplett verschluckt. Zu zweit verscheuchten wir die Waschbären und hörten während wir aßen, dass die Gruppe ihr Runde über den Platz machte. Denn überall hörte man Leute rufen und stampfen. Später als wir fast alles schon wieder verräumt hatten, kamen sie noch einmal zurück. Einer der Waschbären stand vor mir und guckte mich so herausfordernd an, als wolle er mit mir spielen. Ein paar kräftige Stampfer mit dem Fuß und Klatscher konnten ihn doch wieder verjagen.

Panic-Button
Unser toller Geländewagen, die liebe Leonie, hat wirklich sehr gut auf uns aufgepasst. Dafür sind wir ihr sehr dankbar. Doch alle Funktionen des Autos haben wir leider nicht verstanden. Eines Abends standen wir am Waldrand, relativ einsam, schön im Dunkeln und geschützt, so dass keiner uns dort stehen sah. Kurz bevor wir schlafen wollten, Verena lag schon im Schlafsack, kletterte ich noch mal nach vorn, um die Fenster zu öffnen. Dazu musste ich das von innen verschlossene Auto wieder öffnen. Unser Autoschlüssel, eine kleine Fernbedienung, hatte viele schöne Knöpfe und im Dunkeln fand ich leider den falschen Knopf. Ich drückte und das Auto begann plötzlich zu hupen und zu blinken. Völlig erschrocken, wusste ich nicht was ich tun sollte und drückte noch einmal auf den gleichen Knopf. Oh Wunder, es war wieder vorbei. Verena saß trotzdem wieder senkrecht im Bett und fragte erschrocken, was denn los sei. Nach den Schrecksekunde und dem Höllenlärm, hat es ein wenig gedauert, bis wir schlafen konnten. Zum Glück ist trotzdem keiner vorbeigekommen. Doch nicht nur am Schlüssel war ein „Panic-Button“. Eine Woche später etwa, es regnete draußen in Strömen und war um 10 Uhr abends schon stockfinster auf Waldcampingplatz im Algonquin Park. Ich legte mich hin und berührte mit dem Fuß scheinbar an einer falschen Stelle die Heckklappe. Wieder hupte und blinkte das Auto. Schnell dachten wir, der Panik-Knopf. Wir drückten drauf, doch es wurde nur noch schlimmer und das Auto blinkte und hupte noch schneller. Verena sprang barfuß aus dem Wagen auf den nassen Waldboden und öffnete alle Türen und verschloss noch einmal. Währenddessen las ich auf dem Display „Reset Car“. Ich rief Verena, wir müssten das Auto reseten, was sich erstmal ziemlich komisch anhört. Zum Glück wurde im Display beschrieben, was wir tun mussten. Das Auto starten und wieder ausmachen. Also Schuhe und Koffer vom Fahrersitz raus in den Wald und hinters Steuer. Auto an, Auto wieder aus. Doch es blinkte und hupte immer noch. Ein Höllenlärm und um uns herum lauter andere Camper in ihren Zelten. Noch einmal den Panik-Knopf gedrückt, wir dachten schlimmer wird’s nicht mehr. Und tatsächlich dann war wieder Ruhe. Alles wieder ins Auto und endlich schlafen. Bei so viel Action fehlte es nur noch, dass unser Wagen anfing zu hüpfen oder selbstständig zu fahren, doch das blieb uns zum Glück erspart.

 

 

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Anna-Lena Oehmann

I am studying Musicology and British Literature at Bonn University in Germany and will spend my year abroad at Maynooth University near Dublin.