Blogventure – We blog our adventure

Nachdem ich gestern länger gearbeitet habe, bekomme ich heute einen Tag frei. Erstmal schön ausschlafen! Es ist angenehm, nicht auf die Zeit achten zu müssen. Während ich entspannt mein Frühstück zu mir nehme, verlässt uns noch Paul, der hier für fast fünf Wochen geholfen hat. Er gehört definitiv zu den interessantesten Leuten, die ich hier getroffen habe. Seit 10 Jahren reist er schon durch die Welt, von Europa bis Neuseeland. Ein Mensch, der mir sehr nachdenklich, aber nicht betrübt scheint. Wir haben öfter über Themen wie Ernährung, Werte und Geld gesprochen.
Mittags kommt Marc vorbei um uns zu fragen, ob wir mit Fußball spielen wollen. Auch wenn wir alle eher bescheidene Fußballspieler sind, gehen wir natürlich mit. So auch Daniem (Frankreich), der gerade erst angekommen ist. Abgesehen von uns sind noch ca. 15 andere Spieler dabei, hauptsächlich Backpacker/Helfer von anderen Farmen. Das Aufwärmen geht ja noch, aber während wir spielen merke ich wieder, dass ich definitiv mehr Sport machen muss! Das habe ich mir jetzt wirklich fest vorgenommen! … Mal schauen, was daraus wird. Obwohl ich nach jedem Sprint erstmal eine Pause einlegen muss, macht es trotzdem einen riesen Spaß.

Abends Essen wir gemeinsam mit unserer Host-Familie. Als uns Roger mehr im Scherz fragt, ob es Verletzte gab, müssen wir ihm leider erzählen, dass es wirklich einen Verletzten gab! Ein französischer Backpacker ist echt unglücklich über seine eigenen Beine gestolpert und auf seiner Schulter gelandet. Jedenfalls hat er sich diese dann so verrenkt (oder was auch immer), dass wir einen Krankwagen rufen mussten. Als wir nach 20 Minuten immer noch warten, rufen wir erneut an. Anscheinend haben sie unsere Adresse vergessen/verloren… unglaublich. Ich bin nur froh, dass es sich um keine lebensbedrohliche Situation handelt 😀 Leider müssen sie den Franzosen mit ins Krankenhaus nehmen. Beim Abendessen erzählt mir Julia noch, dass er am nächsten Tag wieder nach Hause fliegen wollte! Ich hoffe nur, dass er das auch schafft.

 


Montag 10.08.2015

Heute darf ich endlich wieder Bäume stutzen, super. Während Jon und ich freudig unserer Arbeit nachgehen, fängt es auch noch an zu regnen, später kommt sogar Hagel dazu. Klasse.

Ich würde ja gerne erzählen, dass ich wieder irgendwas spannendes oder aufregendes gemacht habe, aber eigentlich habe ich den ganzen Nachmittag gelesen. Ich genieße es aber auch mal, einfach nichts zu machen. Nur lesen, essen und entspannen. Außerdem spüre ich meine Beinen noch vom gestrigen Fußballspiel 😀

 


 

Dienstag 11.08.2015

Nach der Arbeit gehe ich laufen. Wenigstens einmal möchte ich meinen Vorsatz erfüllen… Es fällt mir erstaunlich leicht, aber ich weiß auch, dass mir der erste Lauf immer relativ leicht fällt, der zweite ist in der Regel nicht mehr ganz so spaßig.
Später lerne ich noch Kidd (aus China) kennen, der hier für ein paar Tage leben wird. Abends kocht er noch für uns alle, das macht ihn natürlich sofort sympatisch 😉 Wir merken schnell, dass wir alle gerne Musik machen und nach dem Essen fangen wir an zu jammen. Während Julia auf ihrer Gitalele spielt, (Kombination aus Gitarre und Ukulele), beginnen Kidd und ich zu singen. Da wir leider kein Schlagzeug rumstehen haben, wir aber Percussions brauchen, muss Daniem halt auf der Cornflakes-Dose spielen. Und er macht das mit Leidenschaft. Eigentlich benutzen wir so ziemlich alles, was die Küche hergibt… Ich habe schon lange nicht mehr so viel gesungen und Gitarre gespielt, bzw. musiziert. Plötzlich haben wir schon 23:30 Uhr, aber immerhin können wir fünf Lieder spielen. Das war wirklich ein kurzweiliger Abend, der uns allen unheimlich viel Freude bereitet hat. Kidd ist einer der besten Sänger, die ich je getroffen habe. Er ist bescheiden und behauptet von sich er könne nur ein bisschen singen, aber das ist wirklich untertrieben. Zudem kann er kochen und Gitarre spielen. Wenn ich auf asiatische Männer stehen würde, würde ich ihn sofort heiraten. 😉

 


 

Mittwoch 12.08.2015

Nach der Arbeit fahren wir an den Wasserfall, um unsere Songs aufzunehmen. Daniem, der Mediengetaltung studiert hat, dreht ein Video. Mit dem Wasserfall im Hintergrund, haben wir eine super Kulisse für unser „Musikvideo“.

Abends fahren wir wieder mit Roger in den Pub. Wie letzte Woche bestelle ich mir „das gute Bier“. 20150812_184515Ich glaube, wenn man in Deutschland so ein Bier serviert, wird man gefeuert oder verprügelt, aber hier ist das irgendwie normal.

Wenigstens schmeckt es. Dieses Mal ist unsere Gruppe wesentlich größer, da noch eine andere Farmbesitzerin mit ihren Helfern dabei ist. So kommt es, dass wir Paul wieder sehen.
Als wir letzte Woche das Quiz gespielt haben, konnte ich wenigstens ein paar Fragen beantworten. Dieses Mal jedoch kann ich von (ich glaube) 50 Fragen gerade einmal drei beantworten! Ich bin froh, dass ich nicht der einzige bin, dem es so ergeht. Gefühlt ist das Quiz wesentlich schwerer als vorherige Woche. Viele Fragen beziehen sich auf maorische (Orts-) Namen oder das Northland, in dem wir uns befinden. Da muss ich wirklich passen. Glücklicher Weise haben wir drei Kiwis bei uns im Team. Am Ende sind wir trotzdem die zweitschlechteste Gruppe…

 


 

Donnerstag 13.08.2015

Da wir seit Tagen kein WLAN mehr haben und auch noch ein paar „spezielle“ Lebensmittel brauchen, fahren wir in die Stadt. In der Bücherei hat man kostenloses WLAN. Ich nehme mein Laptop mit, um ein Hörbuch herunterzuladen. Nachdem ich den Download gestartet habe, lassen Julia und ich die anderen zwei sowie mein Laptop zurück, um zu einem Musikgeschäft zu gehen…
Nachdem wir die letzten zwei Tage quasi durchgehen Musik gemacht, möchte ich mir selber eine kleine Gitarre kaufen, um mehr spielen zu können. Am Ende reicht es dann doch nicht zu einer Gitarre… dafür bin ich jetzt stolzer Besitzer einer Ukulele!

Als wir wieder in der Bücherei ankommen, muss ich feststellen, dass mein Download abgebrochen wurde. Naja, dann muss ich das ein anderes Mal erledigen.

Zurück im Haus wird erstmal die Ukulele getestet und gejammt.

Später backen Julia und ich noch einen veganen Kuchen. Auch wenn manche sich vielleicht fragen, wie man einen Kuchen ohne Eier und Milch zubereitet, so besteht die eigentliche Herausforderung darin, dass wir keine Waage und keinen anständigen Messbecher haben. Also wird alles mehr oder weniger nach Gefühl zusammengemischt. Ich bin echt überrascht, dass er trotzdem richtig gut schmeckt.

 

Als wir wieder mit unserer Host-Familie essen, reden wir mit Kidd über China und die chinesische Kultur. Ähnlich wie bei Chris (USA), bin ich froh, mich mit einem Chinesen zu unterhalten, anstatt mit anderen Deutschen über China zu reden. Es ermöglicht einem eine neue Perspektive und zum Teil war ich wirklich(!) überrascht, was die Landsleute von ihrem Heimatland denken. Auch wenn es natürlich schwer bzw. nahezu unmöglich ist, als einzelne Person für einen ganzen Staat sprechen zu können, so hat es doch geholfen, die jeweiligen Länder besser zu verstehen.
Ich werde an späterer Stelle mal meine Eindrücke über verschiedene Länder sammeln.

 

Mittlerweile hab ich beschlossen, bis nächste Woche Freitag (21.08.) hier zu bleiben, dann eine Woche an der Westküste zu verbringen oder nach Paihia zu fahren und dann zurück nach Kerikeri zu kommen, um meinen nächsten Job anzufangen.

 


 

Freitag 14.08.2015

Heute bereiten wir wieder die Produkte für den Markt vor. Ich bin froh drinnen arbeiten zu können, da es immer wieder zu schütten anfängt. Kidd und Daniem haben da weniger Glück. Dafür darf ich morgen um 03:00 Uhr aufstehen, um nach Whangarei zu fahren.
Zum Mittagessen gönne ich mir (neben Nudeln mit Ratatouille) einen Salat. Einen richtigen, frischen Salat, mein erster seit vier Wochen. Gott, wie hab ich das vermisst! Wieder einmal stelle ich fest, dass ich mich über die kleinen Dinge am meisten freue.
Danach gehe ich laufen und wie erwartet, ist der zweite Lauf wesentlich anstrengender, als der erste. Aber ich bin froh, überhaupt Sport gemacht zu haben.

Nachdem Kidd wieder für uns gekocht hat, machen wir zusammen Musik, erklären ihm wie Schach funktioniert und er bringt mir Chinesisch bei. Zurzeit macht es hier richtig Spaß und die Tage fliegen nur so vorbei. Plötzlich ist es wieder später Abend.


Seit dem ich hier in Neuseeland angekommen bin, könnte ich eigentlich die ganze Zeit schlafen. Aber heute irgendwie nicht. Zum ersten Mal bin ich abends richtig wach und voller Tatendrang. Dass das natürlich genau heute passieren muss, wo ich ja morgen so früh aufstehen darf, war ja klar…

 


 

Samstag 15.08.2015

Die dreieinhalb Stunden Schlaf hätte ich mir eigentlich auch sparen können, ich fühle mich wie gestern Abend, als ich mich hingelegt habe, also quasi wach.
Ich bin überrascht, wie viele Leute an einem Samstag um 06:00 Uhr auf einen Markt gehen um Gemüse zu kaufen. Und ich rede nicht von Gastronomen, sondern von Leuten wie du und ich. Die Kiwis haben wirklich eine andere Mentalität. Über eine andere Sache muss ich jedoch noch mehr staunen, da fällt mir immer wieder die Kinnlade runter… Hier ist immer noch Winter und ich stehe auf dem Markt mit Winterschuhen, langer Hose, Winterjacke und Mütze und bediene einen Kunden der mit kurzer Hose und barfuß durch den Regen läuft?! Julia und ich gucken uns nur fassungslos an. Solche Leute fallen mir immer wieder auf, vergleichsweise viele laufen hier barfuß rum. Der Vorteil von dem Markt in Whangarei ist, dass er schon um 10:00 Uhr für uns endet. Dann hat man wenigstens noch was vom restlichen Tag. Als wir später in einem McDonalds auf unseren Kaffee warten kommt mir noch ein Kerl in Muskelshirt, kurzer Hose und ebenfalls barfuß entgegen. Ich falle hier echt vom Glauben ab. Aber viele kleiden sich auch „ganz normal“.

Abends beschließen wir morgen nochmal an das Cape Reinga zu fahren. Auch wenn ich ja bereits dort gewesen bin, freue ich mich natürlich trotzdem.

 


 

Sonntag 16.08.2015; Das zweite Mal am Cape Reinga

Als ich den Tagesausflug von Paihia zum Cape Reinga gebucht hatte, haben wir ja an diesem Showroom für Möbel aus diesen speziellen Bäumen gehalten und das empfand ich tendenziell eher als langweilig oder nebensächlich. Dass wir heute wieder genau dort anhalten, um einen Kaffee zu trinken und uns wieder die Kunst anzuschauen, finde ich aber irgendwie ironisch und lustig. Jedenfalls muss ich schmunzeln.
Während der Fahrt in den Norden unterhalten wir uns über Gott und die Welt, machen uns über Damien’s französischen Akzent lustig, der irgendwie immer schlimmer wird, diskutieren darüber, ob Kühe über das Wetter nachdenken und warum Kidd so perfekt Englisch spricht. Ich möchte nicht behaupten, dass alle Themen sinnvoll waren, aber es war auf jeden Fall unterhaltsam.

Nachdem wir am Cape angekommen sind, machen wir wieder super Fotos!

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Auf dem Weg zu den Dünen verfahren wir uns natürlich wieder, aber das bin ich ja hier schon gewohnt. 😉

Dieses Mal können wir uns beim Sandboarden mehr oder weniger frei bewegen und wir surfen eine andere Düne, als das letzte Mal.

 

Als wir wieder in der Heimat sind, bringen wir Julia noch zu ihrem nächsten Job nach Paihia. Zurück in Kerikeri bekommen wir einen Anruf, dass sie ihr Handy im Auto verloren/vergessen hat. Langweilig wird es hier wirklich nie. Glücklicher Weise kann Kidd es ihr morgen bringen, da er auf dem Weg nach Auckland, an ihrer neuen Unterkunft vorbei kommt.

 


 

Montag 17.08.2015

Heute verabschiede ich mich noch von Daniem und Kidd. Die zwei haben echt zusammengepasst wie Arsch auf Eimer. Anders kann man das wirklich nicht formulieren. Zusammen mit den beiden und Julia war das definitiv die lustigste Woche, die ich seit Beginn meines Aufenthaltes erlebt habe! Wenn man Schmerzen vom Lachen hat, ist das ein gutes Zeichen, denke ich.
Auch wenn die Chance ziemlich gering ist, so würde ich mich riesig freuen, Kidd mal in China besuchen zu können. Er hat mich wirklich neugierig auf seine Kultur gemacht.

 

Die böse Überraschung

Eigentlich war mein Plan auf dieser Farm bis Freitag zu bleiben und anschließend eine Woche zu reisen. Aber aus irgendeinem Grund meint mein letzter Weisheitszahn genau jetzt Ärger zu machen…
Jedenfalls rufe ich mittags einen Zahnarzt an und der frühestmögliche Termin zum Entfernen des Zahns ist nächste Woche Montag der 24. … Freuen kann ich mich über die aktuelle Situation zwar nicht, aber da ich keine wirkliche Wahl habe, nehme ich den Termin an. Also bleibe ich hier wahrscheinlich doch bis zum 28. und wechsle dann einfach die Farm. Mal schauen wie die Woche wird.

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.