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Dienstag 18.08.2015

Als ich aufwache, bin ich erstmal froh, keine Zahnschmerzen zu haben. Jedenfalls solange ich meinen Mund nicht öffne. Zwei aufeinander liegende Scheiben Toast gehen gerade noch so…

Nachdem ich mit Gerrit (Deutschland) wieder im Regen Bäume gestutzt habe, bin ich froh im trockenen Haus anzukommen. Langsam sehne ich mich wirklich nach einer anderen Arbeit. Der Alltag macht sich bei mir bemerkbar.

Roger bietet sich an, um uns an die Kerikeri Falls zu fahren. Von da aus startet der Rainbow Falls Track. Was sich vielleicht anhört wie ein Ableger vom Christopher Street Day, ist eigentlich ein Wanderweg, der (wie in Whangarei) an einem Wasserfall beginnt, an verschiedenen, anderen Wasserfällen vorbei kommt und schließlich bis in das Stadtzentrum führt.

Das ist bestimmt sehr verlockend im Sommer...

In diesem Fall endet der Track am ältesten Steinhaus Neuseelands, „Stone Store“ genannt, welches 1832 erbaut wurde.

Bei aller Euphorie gegenüber lebendiger Historie, muss ich feststellen, dass es sich auch nur um ein älteres, normales Haus handelt…

Nach der knapp anderthalb stündigen Wanderung gehen wir Richtung Supermarkt, wo uns Roger wieder aufsammeln wollte. Nachdem wir uns mit ein paar Lebensmitteln eingedeckt haben, setzen wir uns draußen hin. Wieder einmal bemerken wir die barfüßigen Leute. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Während ich versuche eine Banane zu essen, bemerke ich wieder meine Zahnschmerzen. Wie gut, dass ich mir gerade ein ganzes Bund Bananen gekauft habe. Das war mal wieder eine weise Entscheidung…

 


 

 

Ich würde ja gerne schreiben, dass ich in den letzten Tagen viele Abenteuer erlebt, neue Leute kennen gelernt und Orte entdeckt habe. Aber um ehrlich zu sein, auch in Neuseeland gibt es einen Alltag…
Vormittags arbeiten wir, nachmittags gehe ich laufen und abends lese ich viel, schaue mir Dokumentationen an oder höre ein Hörbuch. Die Tage fliegen nur so vorbei und ich habe nun endgültig mein Zeitgefühl verloren. Ich kann nicht einmal mehr sagen, was an welchem Tag passiert ist. Immerhin bin ich komplett entspannt, da ich an keine Termine oder Verpflichtungen denken muss. Materiell gesehen führe ich derzeit ein sehr einfaches Leben: „Basic-Food“, kein Auto, wenig Kleidung, relativ wenig Geld. Aber ich kann wirklich machen, WAS ICH WILL und mich frei in einem wunderschönen Land bewegen, das mich auch noch herzlich aufnimmt. Purer Luxus, und das genieße ich auch. Ich freue mich, wenn ich wieder mehr reise.
Gerrit und ich sind zurzeit die einzigen Helfer auf Farm. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich diesen Ort verlassen, da er für mich nun ausgereizt ist. Allerdings warte ich noch auf meinen Termin beim Zahnarzt. Das ist für mich der einzige Grund auf dieser Farm zu bleiben. Eigentlich mag ich es hier, die Besuche im Pub und der Markt machen immer noch Spaß. Auch mit Birgitt und Roger verstehe ich mich immer besser. Jedoch habe ich nun gesehen, wie der Alltag hier aussieht. Ich sehne mich nach etwas Neuem.

 


 

 Sonntag 23.08.2015

Um an unserem freien Tag nicht die ganze Zeit drinnen zu hocken, bittet uns Roger an, uns zum Puketi Forrest zu fahren, damit wir dort eine Wanderung machen. Als wir losfahren scheint die Sonne, als wir aussteigen regnet es. Das war ja klar. (Das Foto habe ich nach der Wanderung aufgenommen, als sich das Wetter gebessert hatte)


Die Strecke beginnt direkt an der Straße. Wir klettern über einen Zaun und stehen auf einer Wiese, auf der Kühe grasen. Wir müssen direkt durch die Herde laufen, die uns ziemlich verdutzt anstarrt, als hätten sie noch nie einen Menschen gesehen. Während wir an ihnen vorbeistiefeln machen sie keinen Schritt, sondern drehen nur ihre Köpfe. Alle machen das synchron. Uns ist nicht ganz wohl bei der Sache, es hat etwas von einem schlechten Horrorfilm. Ich frage mich, wie schnell Kühe eigentlich laufen können. Als wir im Wald ankommen, stoppt der Regen.

Leider hat es in den letzten Wochen sehr viel geregnet, weswegen der Boden sehr aufgeweicht ist. „Schade“, denke ich mir, denn anstatt mich in der Natur umzuschauen, bin ich mehr darauf bedacht mich nicht hinzulegen. Zum ersten Mal sehe ich einen Kauri-Baum aus nächster Nähe. Diese Baumart gehört zu den größten auf der Erde.


Die Strecke ist dann doch kürzer als gedacht und so stehen wir nach gut einer Stunde wieder am Waldrand. Wir schreiten durch die immer noch starrende Herde, klettern erneut über den Zaun und stehen wieder am Ausgangspunkt. Wir schauen uns an. Da ich noch keine Lust habe mich wieder abholen zu lassen, schlage ich vor, erstmal Richtung Heimat zu gehen und wenn wir dann doch nicht mehr laufen wollen, können wir Roger anrufen. Gerrit stimmt zu. Die letzten Tage habe ich (abgesehen von der Arbeit und vom Laufen) viel auf der Couch verbracht, da tut die Bewegung gut. Wir unterhalten uns über die bevorstehende Zeit. Wo möchte man hin? Was möchte man sehen? Gerrit hat sich für einen Job in Coromandel beworben. Auch ich möchte dorthin fahren, da es mir wärmstens von Chris in Whangarei empfohlen wurde. Jedoch werde ich erst in knapp drei Wochen Richtung Süden reisen. Wir laufen ein paar Kilometer entlang der mit Schotter ausgelegten Straße. Uns kommt kaum jemand entgegen. Die Gegend scheint wie ausgestorben, das wäre hier zu ruhig für mich. Nur vereinzelt stehen Häuser oder Scheunen. Die einzigen Lebewesen sind Kühe, die entlang der Straße grasen und uns wie immer anstarren. Nach einiger Zeit entscheiden wir uns dann doch dazu, uns bei Roger zu melden, damit er uns einsammelt.

Was ich an dem gemeinschaftlichen Wohnen mit den anderen Helfern sehr mag, ist das gemeinsame Kochen. Meistens hat einer eine Idee und ist der eigentliche Koch, während die anderen beim Schneiden helfen. Das blöde ist nur, dass ich jetzt der Koch bin, da Gerrit (19 Jahre alt, frischer Abiturient) noch weniger Erfahrung im Kochen hat als ich. Wenn ich für mich koche ist das eine Sache, das klappt schon irgendwie. Aber auch noch für andere? Das Gute daran, wenn man ins kalte Wasser geworfen wird, ist, dass man sehr schnell lernt. Während ich in den ersten Tagen in Auckland fast nur Nudeln mit Tomatensoße gegessen habe, reicht es jetzt immerhin zu verschiedenen Gemüsepfannen, die sogar wirklich schmecken. Das mag sich vielleicht nicht nach viel anhören, aber als quasi lebenslanger Stammgast im Hotel „Mama“, ist das für mich schon ein Erfolg. Ich muss zugeben, dass ich mich trotzdem jedes Mal freue, wenn Birgitt uns zum Essen einlädt. Das ist halt doch noch eine andere Liga 😉

 


 

Montag 24.08.2015

Heute habe ich meinen Termin beim Zahnarzt, nachdem ich mich vor einer Woche so gesehnt habe. Ironischer Weise sind meine Schmerzen mittlerweile fast komplett verschwunden. Ich entscheide mich trotzdem hinzufahren und mir die Meinung von Dr. Johns einzuholen, mal schauen was er sagt. Als ich die Praxis betrete, muss ich erstmal wieder auf Englisch schalten. Dadurch, dass meine Gasteltern und Gerrit mit mir nur noch Deutsch geredet haben, brauche ich einen Moment um wieder Englisch reden „zu können“. Die freundliche Dame an der Rezeption hilft mir dabei, meinen Kontaktbogen inklusive medizinischer Vorgeschichte auszufüllen. Ich betrete das Behandlungszimmer und ein kleiner Mann, der mich an Denny Devito erinnert, begrüßt mich. Obwohl ich gerade beim Arzt bin, wird erstmal eine Zeit lang Smalltalk über Neuseeland gehalten. Wo möchte ich noch hin? Wie lange bleibe ich denn so hier? Und so weiter…. Das ist hier irgendwie üblich. Nachdem sich Dr. Johns meinen Problemzahn angeschaut hat, teilt er mir seine Sicht mit, die ich (und mein Portmonee) sehr begrüße(n). Als der Zahn rauskam, hat er an der Innenseite meiner Wange gerieben und das hat den Schmerz verursacht. Jetzt hat sich das Fleisch daran gewöhnt und der Schmerz ist weg. Daher kann der Zahn, sofern er weiter keine Probleme macht, erst einmal drin bleiben. Nachdem Dr. Johns mich Recht herzlich verabschiedet und mir alles Gute wünscht hat, bezahle ich 45$ für die Behandlung/Beratung und verlasse die Praxis. Auch wenn ich mir die 45$ theoretisch hätte sparen können, bin ich froh hier gewesen zu sein. Hätte ich den Termin vor ein paar Tagen abgesagt und die Schmerzen wäre wieder gekommen, dann hätte ich jetzt den Salat.
Ich schaue auf die Uhr: 15:50 Uhr. Vor 20 Minuten erst hat Roger mich hier abgesetzt und er braucht gut 15 Minuten für die Fahrt nach Hause, da käme ich mir ziemlich blöd vor, wenn ich ihn jetzt wieder anrufe um mich abzuholen… Ich entscheide mich dazu, noch etwas in der Stadt herumzulaufen. Ich möchte die Situation ausnutzen, wenn ich schon einmal hier bin. Als erstes gehe ich in einen Bücherladen um mir einen Collegeblock und einen Roman zu kaufen, da ich alle meine Bücher gelesen und mein Hörbuch auch schon fast durchgehört habe. Die Wahl fällt auf „Walking The Nile“ von Levison Wood. Zudem suche ich nach Postkarten, etwas Passendes finde ich jedoch nicht. Als nächstes geht es zum Friseur, die Matte muss wieder ab. Ein junger Mann, der den größten Bart hat, den ich je selbst gesehen habe, schneidet mir die Haare. Zum Abschluss gehe ich noch in einen „Countdown“, wo ich mir Quinoa und drei Packungen Hafermilch auf Vorrat kaufe, da es nicht zum „Basic-Food“ gehört, dass uns von Roger zur Verfügung gestellt wird.
Nachdem ich Roger geschrieben habe, dass er mich abholen könne, setze ich mich auf den Bordstein vor Dr. John’s Praxis und fange an „Walking The Nile“ zu lesen. Ich hoffe, durch das (in Englisch geschriebene) Buch mehr in der Sprache drin zu bleiben, als in der letzten Woche. Nach wenigen Minuten des Wartens sammelt mich Roger wieder auf und ich berichte ihm, was der Zahnarzt zu sagen hatte.
Abends schreibe ich noch John, bei dem ich ab Freitag arbeiten werde. Ich glaube, bei ihm wird es ein wenig anders ablaufen als hier, aber das wird sich zeigen. Ein bisschen ärgert es mich schon, dass ich nicht wie geplant zwischen den zwei Jobs noch ein paar Tage rumgereist bin. Aber so bin ich wenigstens kein Risiko mit meinem Zahn eingegangen.

 


 

Dienstag 25.08.2015

Während der letzten Woche habe ich ein paar Stunden angesammelt, um heute frei haben zu können. Eigentlich wollte ich mich von der Nachwirkungen der OP erholen, aber das ist ja jetzt hinfällig. Natürlich genieße ich es trotzdem nicht arbeiten zu müssen, vor allem, da es mal wieder regnet. Endlich finde ich die Zeit, meine Videos zu bearbeiten. Ich hoffe, bald das erste Video hochzuladen, damit ihr noch mehr Eindrücke von dem Land hier bekommt. 😉

 


 

Eigentlich freue ich mich sehr auf die Arbeit bei John, denn dort werde ich direkt mit der Familie zusammen leben und arbeiten. Außerdem sind sie echte Kiwis, was auch bedeutet endlich wieder Englisch zu reden.
Aber noch mehr freue ich mich in den Süden zu reisen. Ich war nun für ein paar Wochen im hohen Norden Neuseelands und es gefällt mir gut, jedoch möchte ich auch den Rest des Landes sehen und weiterkommen. Hier beginnt langsam der Frühling und die Temperaturen steigen, vor allem in der Sonne merkt man das. Ich freue mich jedenfalls schon! Ich werde mich in den nächsten Tagen informieren, ob man in Kerikeri Fallschirmspringen machen kann. Während der Arbeit habe ich jeden Tag Flugzeuge landen und starten gesehen und „mein Friseur“ meinte ebenfalls, dass man das hier wohl machen könne. Ihr werdet es jedenfalls erfahren…

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.