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Endlich verlasse ich das Northland Neuseelands. Es geht Richtung Süden… um genau zu sein nach Whitianga, wo ich mich mit Pavel treffe. Wir haben beschlossen die nächsten zweieinhalb Wochen zusammen zu reisen.

Doch erst einmal muss ich die knapp 430 Kilometer weite Strecke überwinden. Aber wie?

 


 

Freitag 11.09.2015

Ich habe vor ein paar Tagen Roger, meinem ehemaligen Chef, eine Mail geschrieben, in dem ich ihn gefragt habe, ob er mich nach Whangarei mitnehmen könne. Glücklicher Weise hat er eingewilligt. Freitagmittag gegen 13:00 Uhr holt er mich ab und wir fahren zu seiner Farm. Es fühlt sich an, als käme ich von einem Urlaub wieder nach Hause, ein seltsames Gefühl. Ich lerne die neuen Helfer kennen und helfe beim Verpacken von Orangen. Als ich später mit ihnen beim Abendessen sitze, höre ich mir ihre Beschwerden über die Verpflegung und die Arbeit an. Ich fühle mich direkt um zwei Wochen zurück versetzt, denn alle beschweren sich über die gleichen Dinge, wie ich selbst noch bis vor zwei Wochen. Ich muss schmunzeln. Bevor ich mich ins Bett verkrümele, stelle ich fest, dass ich meine gekühlten Lebensmittel bei den Sandersons vergessen habe. Leicht verägert gehe ich früh schlafen, da morgen ein wirklich langer Tag auf mich wartet.

 


 

Samstag 12.09.2015; Fahrt nach Whitianga

03:00 Uhr

Ich habe wie beim letzten Mal kaum ein Auge zu bekommen, da ich auf keinen Fall verschlafen wollte. Trotzdem bin ich hellwach. Myriam, die mit auf den Markt fährt, sieht noch geräderter aus als ich. Ein kurzes Frühstück, die Klamotten in den LKW und dann los!

 

09:00 Uhr

Nachdem ich ein letztes Mal auf dem Markt in Whangarei geholfen habe, bedanke ich mich herzlich bei Roger dafür, dass er mich mitgenommen hat. Bevor ich gehe, schenke ich Myriam noch mein Buch „China Study“. Ich habe das Buch komplett gelesen und keine Lust, es die ganze Zeit mit mir rum zu schleppen. Im Gegenzug wird sie mir Ihren Lebenslauf auf Englisch schicken, damit ich eine Vorlage für meinen eigenen habe. So hilft man sich hier gegenseitig – das finde ich klasse unter Backpackern!

 

12:00 Uhr

Nachdem ich mit dem Bus von Whangarei (Aussprache: wh = f) nach Auckland gefahren bin, warte ich am Ufer auf meine Anschlussverbindung.20150912_130147 (800x600) Ich beobachte, wie begeisterte Touristen mit Jetbooten durch den Hafen donnern.

 

Im Gegensatz zum letzten Mal, ist das Wetter deutlich besser. Die Sonne blendet mich und ich vermisse meine Sonnenbrille, denn ich habe sie bei Kidd im Auto liegen lassen. Vor ein paar Tagen hatte Julia mich deswegen angeschrieben. Hätte sie sich nicht gemeldet, wäre es mir wahrscheinlich gar nicht aufgefallen.

 

17:00 Uhr

Ich steige aus dem kleinen Bus, schnappe meinen Tagesrucksack und gehe zur Rezeption meines Hostels. Ich bin positiv überrascht, dass der Sprinter in der Nähe meines Hostels angehalten hat, denn ich hatte eigentlich damit gerechnet, vom Zentrum hierher laufen zu dürfen. Ich spüre die Auswirkungen der langen Fahrt; ich bin müde, habe leichte Kopfschmerzen, bin wie immer mal hungrig und möchte mich nur noch ausruhen. Ich stelle meinen kleinen Rucksack auf einem Sofa ab und checke ein. Während die Rezeptionistin auf ihren Bildschirm schaut, drehe ich mich um, begutachte die Flyer an der Wand und anschließend meinen Rucksack. Doch Sekunde, da fehlt doch was… Wo ist denn dein großer Bruder? … Ich hab ihn im Bus liegen lassen… oh man. Ich drehe mich wieder zur Rezeptionistin und erkläre ihr die Situation. Sofort greift sie zum Hörer, um den Fahrer des Busses anzurufen. Ich bleibe überraschender Weise tatsächlich entspannt. „Irgendwie bekommt man das schon geregelt“, denke ich mir. Noch während sie mir mitteilt, dass es sich um eine alte Nummer handele, die wahrscheinlich nicht mehr aktuell sei, hebt jemand ab. Tatsächlich steht der Bus noch immer an der selben Stelle, an der ich ausgestiegen bin. Ich laufe los und werde vom Busfahrer, der sich verwundert am Kopf kratzt, mit einer Mischung aus „Ich habe mich schon gewundert, ob ich einen Gast verloren habe“ und „Wie kann man seinen Rucksack vergessen?“ empfangen. Ich kann nur lachen, verwundert über meine eigene Tollpatschigkeit.
Kurze Zeit später betrete ich das Haus, in dem ich für die nächsten Tage wohnen werde. In der Küche treffe ich Pavel wieder, den ich herzlich wie einen alten Freund begrüße. Nachdem wir uns in Auckland getrennt hatten, hat er auf einer Farm gearbeitet, doch wir blieben die ganze Zeit in Kontakt. Da er Anfang Oktober eine Langzeitstelle als Rezeptionist in einem Hotel anfängt, haben wir uns überlegt, bis dahin noch gemeinsam über die Nordinsel zu reisen.
Ich lerne noch Vanessa (Schweiz) und zwei deutsche Brüder kennen. Vanessa leiht sich an der Rezeption verschiedene Filme aus. Zusammen mit ihr und den drei Kerlen diskutiere ich, welcher Film es sein soll. Die Wahl fällt dann auf „Mamma Mia“. Der Vorschlag sich einen anderen Film auszuleihen und anzuschauen wird abgelehnt, da Vanessa schlicht und ergreifend „zu erst“ da war. Nach einer gewissen Zeit verlässt Vanessa den Raum und taucht erstmal nicht wieder auf. Dafür betritt ein anderes Mädel das Haus. In dem Moment wird mir folgendes klar: Sie kommt gerade hier rein, sieht vier Kerle (Anfang bis Mitte 20) andächtig vorm Fernseher sitzen, während diese „Mamma Mia“ schauen und nicht beispielsweise „Gladiator“… das wirkt bestimmt sehr männlich. Als einer der Brüder vorschlägt den Film zu beenden und einen anderen zu starten, wird beschlossen, dass wir „den jetzt auch zu Ende anschauen, schließlich haben wir den ja auch angefangen“. Definitiv gehört dieser Moment zu der Kategorie „Ich kann nicht glauben, dass das gerade wirklich passiert“.

 


 

Sonntag 13.09.2015 Good things happen to good people!

Am nächsten Tag fahren Pavel und ich zusammen mit den anderen drei zum „Hot Water Beach“. Es gab nur wenige Orte, von denen ich schon in Deutschland wusste, dass ich sie besuchen möchte. Aber der „Hot Water Beach“ gehörte auf jeden Fall dazu. Man muss dazu sagen, der Name ist wirklich Programm. Äußerlich unterscheidet sich dieser Strand kaum von den vielen anderen, aber wenn man mit einem Spaten ein Loch gräbt, steigt heißes Wasser aus dem Boden auf und füllt das Loch.

Heißes Wasser von unten – kaltes Wasser von oben

Wir waren jedenfalls nicht die Einzigen am Strand!

 

So kann man sich seinen eigenen Pool mit warmen Wasser bauen, und das direkt am Strand!

Wir wandern zurück zum Parkplatz, klopfen uns den Sand von Füßen und steigen in den Mietwagen der Brüder, weil wir noch zur „Cathedral Cove“ Fahren wollen, die keine 10 Kilometer von hier entfernt liegt. Normaler Weise kontrolliere ich immer, ob ich alles bei mir habe; Portmonee, Handy, Reisepass, Kamera. Doch dieses Mal denke ich mir: „Ach du hast schon alles dabei…“, werfe meinen Rucksack in den Kofferraum und wir fahren los. Vanessa erzählt uns über ihre Reisen in Asien, Madagaskar und Neuseeland, sowie ihrer Erkenntnis „Good things, happen to good People!“ (Gute Dinge geschehen guten Menschen). Irgendwie können wir das im Wagen alle bestätigen und wir tauschen beispielhafte Erlebnisse aus. Wir beginnen Abba-Songs zu singen, die seit gestern in unser Gedächtnis eingebrannt sind. Ich stelle fest, dass es zu jeder Situation eine passende Textzeile eines Abba-Songs gibt. Naja, alle machen mit, Hauptsache Spaß!
Als wir den Wagen parken werde ich dann doch von dem unguten Gefühl eingeholt, etwas vergessen zu haben. Ich schreite zum Kofferraum, öffne meinen Rucksack und meine Befürchtungen werden bestätig. Ich hab meine Kamera irgendwo vergessen… „Aber wo? Wo habe ich sie zuletzt gesehen oder in der Hand gehalten? Als wir vom Strand zurückgekommen sind, habe ich sie auf das Dach des Autos gelegt, bin auf die Toilette gegangen und dann…. direkt in das Auto eingestiegen. Sie muss in der ersten Kurve vom Dach geflogen sein. Oh man. Wenn dein Kopf nicht angenäht wäre…“, denke ich mir. Den Anderen mein Leid klagend und über mich selbst ärgernd, packe ich den restlichen Inhalt meines Rucksacks wieder ein. Zurück am Parkplatz des „Hot Water Beach“ verteilen wir uns in alle Richtungen. Ich gehe zielsicher auf die erste Kurve zu und tatsächlich, da liegt meine Kamera glänzend im Straßengraben. Wie gut, dass ich die sie immer im Schutzgehäuse lasse. „Good things happen to good people!“, rufe ich den anderen grinsend zu, während ich meine Kamera in die Luft halte. Ob es sich nun um „Gute Dinge geschehen guten Menschen“ oder „Das Glück ist mit den Dummen“ handelt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Ich bin auf jeden Fall froh, meine Kamera wieder in den Händen zu halten. 😉

Letzten Endes kommen wir doch noch bei der “Cathedral Cove” an.

Aussicht von Parkplatz

Cathedral Cove von außen…

 

… und von innen.


 

14.09.2015; Shakespeare Cliff

Am nächsten Morgen mache ich mich mit Pavel auf den Weg zum „Shakespier Cliff“. Nachdem wir etwa 20 Minuten am Strand lang gelaufen sind, nehmen wir eine kleine Fähre, auf der ich etwas sehr klischeehaftes entdecke. Während man in Deutschland wohl eher für seinen Hund bezahlt, wird einem hier das Mitbringen von Schafen in Rechnung gestellt. Wer sich jetzt fragt, wer denn mit einem Schaf spazieren geht, dem sei gesagt: Ja, ich habe das wirklich schon gesehen!

Aussicht vom Shakespeare Cliff

 

Schlechtes Wetter im Anmarsch

Am späten Nachmittag gehe ich zum ersten Mal in meinem Leben Kanu fahren. Ich würde ja gerne behaupten, dass wir uns clever angestellt hätten, aber das wäre wohl eine Lüge. Natürlich fallen wir mehr als einmal in das 12 Grad kalte Wasser, während uns zwei Mädels aus unserem Hostel von ihren Einzelkanus aus beobachten. Als es uns dann doch gelingt, gleichzeitig auf dem Kanu zu sitzen, können wir den Ausblick genießen.

Pavel und ich hatten eigentlich mehr Zeit für Whitianga eingeplant, aber da die deutschen Jungs uns gestern freundlicher Weise mitgenommen hatten, sind wir nun deutlich früher mit den Sehenswürdigkeiten der Stadt fertig. Wir wollen eigentlich nach Coromandel (die Stadt) trampen, aber als wir abends die US-Amerikanerin Carter kennen lernen und sie uns anbietet, uns nach Thames mitnehmen zu können, nehmen wir ihr Angebot gerne an.

 


 

15.09.2015 Planänderung

Sowohl ein Ort auf der Halbinsel, als auch die Halbinsel selbst heißen Coromandel. Wir müssen einmal von der Ost- an die Westküste der Halbinsel fahren. Dabei nutzen wir nicht den Highway, der außen herum an der Küste entlang führt, sondern nehmen die kürzeste Strecke. Durch verschiedene Schluchten schlängeln wir so unseren Weg auf einer Schotterpiste, die mehr schlecht als recht ausgebaut ist. Während ich darüber nachdenke, ob die „Straße“ nur für das hiesige Bergbauunternehmen gebaut wurde, merke ich, dass ich mich lieber auf die Straßenführung, als auf die passende Musik konzentrieren sollte. Die holprigen Kurven bekommen meinem Magen nicht so gut.

Nachdem wir unsere Rucksäcke aus dem Kofferraum gehievt haben, verabschieden wir uns von Carter, bedanken uns nochmals für die Fahrt und gehen zu unserem Hostel. Die Fassade erinnert an ein Farmhaus aus den Südstaaten. Wir treten ein, es riecht nach nassem Hund.
Unser aktueller Plan ist es, von hier aus zu den „Pinnacle-Walk“ zu machen. Wir erfahren jedoch schnell, dass der Wanderweg nicht in Thames selbst beginnt, sondern 25 km weiter. Ein Shuttle kostet 40$ pro Person. Und wo lassen wir unsere schweren Rücksäcke? Pavel schaut mich an. Für den Preis dürfte man doch eigentlich schon einen billigen Mietwagen bekommen? … Wir erkundigen uns bei einer Autovermietung, werden aber enttäuscht. Auf dem Land sind die Preise für einen Mietwagen außerhalb unseres Budgets. „Ok, wir brauchen einen neuen Plan“, sage ich zu ihm. Wie in jeder Stadt, zieht es uns zur Bibliothek. In wirklich fast jedem Ort gibt es…

  1. ein Informationszentrum mit dutzenden Flyern und Inspirationen und
  2. eine Bibliothek. Dieser fast schon heilige Ort für Backpacker mit kostenlosem WLAN wird für uns immer wieder zur Pilgerstädte.

Nachdem wir drei Stunden in der Bibliothek gesessen und (mal wieder) einen neuen Plan geschmiedet haben, meldet sich bei mir der Kreislauf. Mittlerweile ist es Nachmittag und ich habe seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Zurück im Hostel bemerken wir, dass sich jemand etwas Gebratenes zubereitet hat und daher riecht es jetzt nicht mehr nach nassem Hund, sondern nach frittiertem Hund. Eine Geruchskombination, die ich bis dahin auch noch nicht kannte. Ich bin nur froh, dass die launische Besitzerin auf die Idee kam, zwischen Wohn- und Schlafbereich eine Türe einzubauen, weswegen die Schlafzimmer nur wie ein nasser Keller riechen. „Man bin ich froh, wenn wir hier raus sind“, raune ich Pavel an, doch der stimmt mir zu.

 


 

Wenn ich so zurück denke, muss ich zwar lachen, aber Thames war die bis dahin unangenehmste Zeit meiner Reise. Naja, dafür bin ich jetzt für die nächsten Wochen ganz optimistisch. Als erstes fahren wir am nächsten Morgen mit dem Bus nach Auckland, wo wir uns für zwei Wochen einen Mietwagen gemietet haben. Der kostet dort nur ein Viertel vom Preis in Thames. Danach reisen wir zwei Wochen über die Nordinsel bis nach Wellington, wo wir das Auto wieder abgeben.

Unser erster Stopp: der durch thermische Aktivitäten geprägten Kurort Rotorua!

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.