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Nach gut einer Woche verlasse ich die windige Hauptstadt Neuseelands, um nach Napier zu fahren. Das hat vor allem zwei Gründe:

  1. Musste ich Napier bei meinem Roadtrip aufgrund der überflutenden Straße überspringen (böse Erinnerung)
  2. Gilt die Region um Hawkes Bay als Agrarregion, in der man leicht Arbeit finden kann

Und genau das brauche ich zurzeit: Arbeit. Es ist nicht so, dass ich mir bald nur noch Brot und Wasser leisten kann, aber meine Pläne haben sich leicht geändert und ich habe noch keine Erfahrung, wie lang es dauert, bis man eine Anstellung findet. Daher versuche ich in und um Napier als Erntehelfer oder Kellner eine Stelle zu bekommen.

 


 

Glücklicher Weise habe ich bis zum letzten Tag meines Aufenthaltes in Wellington gewartet, um meinen Bus zu buchen. Als ich zum schwarzen Brett des Hostels gehe (eigentlich um die Stellenanzeigen zu durchforsten), entdecke ich, dass eine andere Backpackerin ebenfalls Richtung Norden fährt; „Ein Stopp in Napier ist möglich. Die Spritkosten werden geteilt. Liebe Grüße, Luna“. Klingt doch gut? Ich schreibe ihr eine SMS und schon kurze Zeit später sind alle Details geklärt. Am nächsten Morgen treffen wir uns nach dem Frühstück. Während Sie sich auf den Weg macht ihren Mietwagen abzuholen bleibe ich ihm Speisesaal und nutze das kostenlose WLAN. Luna braucht über eine Stunde, um die Mietwagenfirma zu erreichen (im Übrigen ist es die Gleiche, die Pavel und ich genutzt hatten). In dem Moment wird mir klar, wie froh ich bin, dass damals die junge Frau für unsere Bustickets bezahlt hat.
Luna ist Ende 20 und im Vergleich zu mir eine wirkliche Veteranin im Reisen. Die Deutsche lebt seit drei Jahren in Neuseeland, hat schon ganz andere Teile der Welt gesehen und möchte gerade auch nicht zurück. Wir unterhalten uns die ganze Zeit auf Englisch, was ich super finde, da ich die letzten Tage wieder viel zu viel Deutsch gesprochen habe. Die Fahrt vergeht wie im Flug und nach rund vier Stunden bin ich in Napier.

Die Stadt liegt an der Ostküste der Nordinsel und liegt in der einzigen Region, die ich bislang noch nicht bereist habe. 1931 gab es hier ein Erdbeben, welches fast das komplette Stadtzentrum zerstört hat. Wenn man das Zentrum heute besucht, ist es, als würde man in die Dreißiger zurückreisen, da fast alle Bauwerke in diesen Jahren entstanden. Zusätzlich findet jeden Februar ein Festival statt, bei dem sich alle Einwohner wie in den 1930ern kleiden und man mit Oldtimern durch die Stadt fährt. Ich habe Fotos gesehen und das muss wirklich fantastisch sein!


 

In meinem Hostel treffe ich [hier weiblichen, deutschen Vornamen einfügen] wieder, die ich bereits in Whangarei am Anfang meines Aufenthaltes kennen gelernt habe. Sie wird nicht die letzte Bekanntschaft sein, welche ich hier wieder treffe. Abends stellt sie mir ihre Schwester vor, die hergeflogen ist, um für ein paar Wochen mit ihrer kleinen Schwester rum zu reisen. Das erinnert mich daran, dass mich noch das Gleiche erwartet, worauf ich mich sehr freue.
Im Hintergrund kommen zwei Asiatinnen rein und eine bekannte Stimme erklingt: Es ist Esther! Was für ein Zufall! Ich begrüße sie und sie ist genauso überrascht wie ich. Auch hier gilt: „Die Welt ist ein Dorf“.

An einem Abend gehe ich mit Backpackern aus und lerne Jonas kennen. Wir stellen fest, dass wir die gleichen Pläne haben. Obwohl ich nur mit Deutschen Zeit verbringe, macht es echt Spaß. Die Meisten kenne ich keine 24 Stunden, aber die Chemie stimmt irgendwie.
Am nächsten Tag verteile ich mit Jonas Bewerbungen/Lebensläufe in den Cafés im Stadtzentrum. Jedoch wird uns leider klar, dass wir einfach noch etwas zu früh dran sind. Die Saison beginnt Anfang November und vorher werden keine neuen Helfer eingestellt. Im Supermarkt unterhalten wir uns darüber, ob wir nicht doch weiterreisen sollten. Da dreht sich die Frau in der Schlange vor uns um und spricht uns auf Deutsch an: „Braucht ihr einen Job?“ Unter Backpackern gilt das als ziemlich typische Situation, aber als es mir passiert, bin ich doch verblüfft. Mir wurde jedenfalls noch nie ein Job in der Warteschlange eines Supermarktes angeboten. Sie gibt uns eine Telefonnummer, bei der wir uns melden sollen und wenn wir einen Platz zum Wwoofen bräuchten, könnten wir uns bei ihr persönlich melden. „Coole Sache“, denke ich mir.

 


 

10.10.2015; Cape Kidnappers

Von Esther werde ich gefragt, ob ich auf einen Ausflug mitkommen möchte. Obwohl ich nicht weiß, wo es hingeht, stimme ich zu. Mittlerweile mag ich das Gefühl der Ungewissheit ein wenig, jedenfalls solange es um Tagesausflüge oder kurzfristige Planungen geht. Allerdings hätte ich in diesem Fall lieber nach dem angestrebten Ziel fragen sollen.
Nach kurzer Fahrt im Auto erreichen wir einen Strand und ich erfahre auch, wo wir sind; Cape Kidnappers. Die zwei Chinesinnen möchten am Strand bist zum eigentlichen Kap laufen. Gut, soweit entfernt sieht das auch nicht aus, in einer Stunde müssten wir das doch erreichen. Leider stelle ich schnell fest, dass der Strand hier nicht aus feinem, hellen Sand besteht, sondern aus schroffen, dunklen Steinen, Blöcken und Felsen. Und ich habe mir nur meine Sneaker angezogen, die überhaupt nicht zum Laufen geeignet sind. Wenigstens geht es den Anderen genauso, und dass, obwohl sie wussten wo es hingeht… Glücklicker Weise verbessert sich die Situation nach ein paar hundert Metern. Wir passieren steile Küsten, die ich hier zum ersten Mal in Neuseeland erblicke. Wie eine massive Wand ragen sie 30 Meter und mehr aus dem flachen Meer heraus.

 

Wir ziehen weiter. Aus einer Stunde werden schnell zwei und wir sind immer noch nicht da und wenn ich mir das so anschaue, sieht es nicht so aus, als wären wir dem Kap wirklich näher gekommen…

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Plötzlich kommt noch eine ganz andere Erkenntnis aus; Die Flut kommt. Wir drehen uns um Richtung Startpunkt und können sehen, wie das Wasser schön wesentlich höher reicht, als noch vor einer halben Stunde. Wir müssen umkehren. Getrieben vom steigenden Wasser laufen wir möglichst schnell wieder zurück. Dabei versuchen wir auf dem nassen Sand zu gehen, da dies wesentlich angenehmer ist, als auf die Steine zu treten. Nur wenn eine Welle hereinbricht, springen wir zur Seite auf die Felsen, damit unsere Füße nicht nass werden.

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Irgendwann kommt dann wirklich der Moment, dass das Wasser so hoch ist, dass wir nicht mehr weiter können, außer wenn sich das Meer kurz zurückzieht, bevor eine Welle hereinbricht. Also warten wir einige Sekunden und als das Wasser am niedrigsten Punkt ist, laufen wir los. Erst ich, dann Esther, dann Molly.

 

Abends berate ich mich mit Jonas im Hostel. Wieder einmal werden alle Pläne über den Haufen geworfen: Hier einen Job zu suchen macht keinen wirklichen Sinn, da die Saison wie gesagt erst in ein paar Wochen beginnt und ich keine Lust habe, drei Wochen nur im Hostel zu sitzen und Geld und Zeit zu verschwenden. Wir wollen auf die Südinsel fahren und dort im Norden einen Job suchen, da aktuell viele Jobangebote für diese Region zur Verfügung stehen. Als wir Esther und Molly unseren neuen Plan mitteilen, bieten sie mir an mich mitzunehmen nach Wellington. Jonas wird einen Tag vor mir weiter reisen, ich möchte noch einen Tag lang entspannen. Man gönnt sich ja sonst nichts 😉 Mein bayrischer Freund (Jonas) fährt mit einem Backpacker im Auto Richtung Süden. Wobei dieser Backpacker schon 74 Jahre alt ist und 69 Länder bereist hat! Er hat sogar schon mit dem heutigen König von Saudi-Arabien gespeist, als dieser noch jünger war. Was für ein interessantes Leben!

Am letzten gemeinsamen Abend klettere ich zusammen mit Jonas und Esther auf den einzigen Hügel in der Region, um mir den Sonnenuntergang anzuschauen.

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Für mich geht es jetzt wieder nach Wellington und von da aus direkt auf die Südinsel!

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.