Blogventure – We blog our adventure
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Valencia, 25.11.2015

Kurz vorneweg: Nachdem Blogventure die letzte Woche über (verständlicherweise) etwas aus dem Alltag gerissen wurde und die Texte hier eher nachdenklicher Natur waren, kehre ich mit diesem Eintrag wieder ein wenig zur “Normalität” zurück. Das mag seltsam klingen, aber es ist leider so: wir können uns von schrecklichen Ereignissen wie denen in Paris nicht dauerhaft unseren Alltag zerstören lassen, denn das ist genau das Ziel solcher Angriffe. Daher werde ich in diesem Beitrag (aufgrund der zeitlichen Überschneidung meines Besuchs mit den Attentaten) und dem nächsten (der von meinem Besuch in Paris handeln wird) die Ereignisse eventuell noch einmal aufgreifen, allerdings so kurz wie möglich.


Nachdem ich, wie bereits beschrieben, die letzten Wochen über wenig Zeit zum Reisen hatte, ging es am vorletzten Wochenende endlich mal wieder auf in ein neues Abenteuer: nach Madrid. Ich fuhr mit Carlos, einem Kommilitonen aus Valencia, am Freitag los und wir blieben bis Sonntagnacht dort, um uns die wunderbare Hauptstadt Spaniens anzuschauen. Reisemittel: Blablacar, die bei Weitem günstigste Variante des Reisens hier in Spanien. Reisende per Auto können ihre Fahrten auf einer Internetplattform anbieten und gegen einen kleinen Beitrag (in diesem Fall 18€ pro Person) fährt man dann eben mit. Gemütlicher als Busfahren, billiger als Zugfahren und meist sehr unterhaltsam, da man neue Leute kennenlernt.

Der Weg von Valencia nach Madrid ist ziemlich langweilig, zumindest was die Landschaft angeht. Man fährt durch “Castilla la Mancha”, die drittgrößte Autonome Gemeinschaft (das spanische Äquivalent zu unserem Bundesland) des Landes, allerdings nur von einem sehr geringen Bevölkerungsanteil bewohnt (ca. 4,3%). Und das merkt man auch, wenn man durchfährt, denn man sieht vor allem eines: nichts. Es ist flach, leer, rot und heiß. Sehr einladend! Die Strecke ist ungefähr 350 km lang, aber durch die Eintönigkeit des Ausblicks kommt es einem bedeutend länger vor.

Vielleicht lag es auch mit an dieser Reise durch das Nichts, dass Madrid mich zunächst einmal vollkommen erschlagen hat. Ich habe in meinem Leben schon einige große Städte und auch Hauptstädte besucht. Aber noch nie hatte ich beim Ankommen so sehr das Gefühl, klein und verloren zu sein, wie während meines Besuchs in Madrid. Wir wurden von unserem Fahrer an der Atocha, dem madrilenischen Hauptbahnhof, abgesetzt. Und in diesem Moment habe ich mich so unwohl gefühlt, wie zuvor lange nicht mehr beim Reisen. Der Bahnhof ist gigantisch, die Straße davor ebenfalls, die Gebäude um ihn herum riesig und prunkvoll. Einer Hauptstadt durchaus würdig, würde ich sagen! Und so war ich die erste halbe Stunde unseres Aufenthalts erst einmal damit beschäftigt, mich an dieses mir eigentlich völlig fremde Unwohlsein zu gewöhnen, beziehungsweise es zu überwinden. Erst danach konnte ich anfangen, die Stadt zu genießen.

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Das spanische Parlamentchen

Und was für eine Stadt es ist! Die Architektur, die Museen, die Parks, die Straßen, die Monumente, alles ist prunkvoll gestaltet und reich verziert. Das einzige Gebäude, das nicht riesig wirkt, ist das Parlament. Im Ernst, wenn man das Reichstagsgebäude danebenstellen würde, würde das spanische Parlament nicht einmal halb so groß sein. Auf der Gran Vía, der riesigen Einkaufsstraße Madrids, ist jedes zweite Geschäft ungefähr doppelt so groß, wie der Sitz der spanischen Demokratie. Ich wusste nicht so recht, ob ich das lustig oder bedenklich finden sollte…

Der mit Abstand großartigste Teil unseres Aufenthaltes waren die Besuche im Museo Nacional del Prado und im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, den wohl bedeutendsten spanischen Kunstmuseen. Die Masse an Gemälden großer Künstler aus ganz Europa dort ist erschlagend. Wir verbrachten den gesamten Samstagvor- und frühen -nachmittag im Prado und den frühen Sonntagnachmittag im Reina Sofía. In der folgenden Galerie habe ich einige der Eindrücke festzuhalten versucht, auch wenn das in Fotos leider nicht ganz möglich ist. Vor allem das Bild Guernica von Pablo Picasso, das für mich das Highlight der Museumsbesuche war, hätte ich gerne fotografiert. Leider war das aufgrund der Bestimmungen des Museums nicht möglich. Allen Interessierten empfehle ich aber, sich das Bild in dem obigen Link anzuschauen, vorher aber am Besten seine Geschichte durchzulesen. Das Bild live zu sehen (es füllt fast eine ganze Wand) war eine unglaubliche Erfahrung!

Museo Nacional del Prado:

 


 

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía:


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Gruppenfoto am Samstagabend

Nachdem wir uns am Samstag nach dem Besuch im Prado die Stadt weiter angeschaut hatten (unter andere die Plaza Mayor, die Catedral de la Almudena und den Königspalast), trafen wir uns abends mit einem Freund aus Bonn, der gerade in Madrid einen Auslandsaufenthalt verbringt. Von ihm und seinen Freunden ließen wir uns am Samstagabend eines der studentischen Ausgehviertel zeigen. Den Sonntag nutzten wir neben dem Besuch im Reina Sofía dazu, uns einige weitere bekannte Teile Madrids anzuschauen, unter anderem den riesigen Park El Retiro (der königliche Freizeitpark), die Puerta de Alcalá, und das Monumento al rey Alfonso XII de España. Am Sonntagabend ging es dann, wieder per Blablacar, zurück nach Valencia, wo wir kurz nach Mitternacht ankamen. Im Vergleich zu Madrid war es hier wieder angenehm warm (die Temperaturen in der Hauptstadt waren während unseres Besuchs ca. 5°C kälter, sodass ich die folgenden Tage über leider erkältet im Bett verbringen musste). Aber alles in allem war der Besuch das bisschen Schnupfen definitiv wert und das Wochenende eine großartige Erfahrung in der spanischen Hauptstadt! :)

Keine Sorge, jetzt ist es fast geschafft. Dies dürfte wohl damit wohl auch mein längster und einer der bilderreichsten Eintrag bisher sein. In den nächsten Tagen oder Anfang nächster Woche kommt der Beitrag über meinen Besuch in Paris. Und in der Woche danach mache ich mich auf den Weg, um Stoff für neue Berichte zu sammeln! Bis dahin! :)

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Cornelius Lilie

I am a student of History and Political Studies at Bonn University in Germany and I will study at Valencia, Spain for a semester.