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Viel typischer gehts in Paris kaum noch, oder?

Valencia, 30.11.2015

Nachdem ich vor zwei Wochen in Madrid war, ging am vergangenen Wochenende meine Hauptstadttour mit einem Besuch in Paris weiter. Ich gebe zu, dass mir im Vorfeld der Reise etwas mulmig zumute war, ausgerechnet jetzt nach Frankreich zu fliegen. Aber wir hatten die Reise schon Wochen zuvor geplant und beide keine Lust, jetzt abzusagen. Darum geht es doch gerade: sich nicht einschüchtern zu lassen und weiterzumachen, seinen Alltag fortzuführen.

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Das Wetter am Flughafen vor meinem Abflug…

Los ging es also am Freitagnachmittag, aus dem strahlenden Sonnenschein Valencias in den hohen Norden. Dorthin, wo es so etwas wie den Winter gibt und man nicht das ganze Jahr über (zumindest tagsüber) ohne Jacke herumlaufen kann. Aber nachdem Jule ja schon im Oktober hier war, war der Gegenbesuch in Frankreich die Kälte definitiv wert. Ich habe allerdings zu meinem Leidwesen an diesem Wochenende gemerkt, wie sehr ich mich an die Wärme hier in Valencia gewöhnt habe: ich bin um ein Vielfaches kälteempfindlicher geworden! Das kann ja heiter werden, wenn ich über Weihnachten und Silvester wieder in Deutschland bin. Noch keine Ahnung, wie ich das überstehen werde…

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… und bei der Ankunft in Beauvais.

Wie bereits vom Wetterbericht angekündigt, wurde ich in Paris dann auch vom Regen begrüßt. Beziehungsweise, eigentlich nicht in Paris. Mein Flug von Valencia ging nämlich nach Paris-Beauvais, einem Flughafen, der den Namenszusatz ‘Paris’ so sehr verdient hat, wie Weetze ‘Düsseldorf’: er liegt ca. 100 km von der Stadt entfernt und ist nur via Shuttle erreichbar. Fahrzeit: ungefähr anderthalb Stunden. Was tut man nicht alles für einen Besuch in Paris!

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Eine der teils endlosen Metrotreppen

Nach meiner gefühlten Odyssee im Bus kam ich dann endlich am Ziel an und wurde direkt am Terminal abgeholt. Eine weitere Odyssee via U-Bahn folgte. Valencia ist nunmal doch ein ganzes Stück kleiner als Paris und das ist auch im Metronetz deutlich erkennbar. Ich glaube, ich habe in Spanien noch keine einzige überfüllte U-Bahn gesehen (wobei ich hier auch kaum Metro fahre – ist ja alles mit dem Rad erreichbar). In Paris ist das genauso alltäglich wie das ewige Umsteigen und die riesigen Metrostationen mit gefühlt zahllosen Tunneln und Treppen, die reinsten Labyrinthe! Da ist das mit dem Zurechtfinden nicht immer ganz einfachund es ist immer hilfreich, eine ortskundige Gastgeberin dabeizuhaben!

Unsere kleine Airbnb-Wohnung lag nicht ganz zentral, aber mit der Metro sehr gut erreichbar in einem wirklich schönen Teil der Stadt, der französischer nicht hätte sein können. Und so konnte ich tatsächlich jeden Morgen problemlos Baguettes und Croissaints frisch beim Bäcker kaufen und kam mir dabei nur ein ganz klein wenig so vor, als habe ich mich in einen französischen Film verirrt. 😀

Nach einem Abendessen und einem Spaziergang an der Seine von Notre Dame bis zu den Tuilerien setzte sich am Samstag dann meine Tour durch die großen Museen europäischer Hauptstädte fort: wir besuchten den Louvre! Mit unseren Studentenausweisen war  der Eintritt angenehmerweise, genau wie in den madrilenischen Museen am Wochenende zuvor, kostenlos. In der folgenden Galerie habe ich versucht, einige der Eindrücke aus dem Museum festzuhalten.

Abgesehen von unserem Louvre-Besuch wurden natürlich auch die meisten anderen ‘großen’ Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt. Aufstiege auf den Eiffelturm und den Hügel Montmartre, ein Besuch des Friedhofs Père Lachaise (und dort vor allem des Grabs von Jim Morrison), und einer bei ‘Shakespeare and Company’, dem wohl berühmtesten Buchladen der Stadt, sowie einem Einkauf auf einem französischen Wochenmarkt – ein Parisaufenthalt wie aus dem Bilderbuch! :)

Einer der weniger schönen und eher nachdenklichen, bzw. traurigen Momente war ein Besuch in der Rue de Charonne, die in der Nähe von Jules Wohnung liegt. Dort haben wir eines der Restaurants besucht, die vor zwei Wochen angegriffen wurden. Ich kam mir etwas schlecht dabei vor, von dem Blumenmeer vor dem Café Fotos zu machen. Aber ich hatte das Bedürfnis, diese Bilder festzuhalten. Zwar sollten wir uns nicht von diesen Attacken ‘unterkriegen’ und in konstante Angst versetzen lassen, aber vergessen sollten wir sie auch auf keinen Fall!

Trotz dieser Erfahrung, und obwohl man in der Stadt natürlich immer wieder die angespannte Stimmung nach den Angriffen eine Woche zuvor bemerkte (vor allem aufgrund der schwer bewaffneten Polizisten und Soldaten, die überall herumliefen), waren das Wochenende und der Besuch großartig! Wie der Franzose (und auch der Titel des Beitrags) schon so schön sagen: Es war ein “Bon week-end”. Kein Scherz. Ich musste sehr an mich halten, um nicht loszulachen, als mir das auf dem Wochenmarkt von einem Verkäufer gewünscht wurde. Sprachen sind schon etwas Lustiges, oder? 😉

Und das war es dann auch schon wieder! Am Montabend ging es nach dreieinhalb tollen Tagen wieder mit dem Bus zurück nach Beauvais und von dort (nur unmerklich länger als die Shuttlefahrt) per Flieger nach Valencia, wo ich mit meinem dicken Pulli und Mantel direkt ganz schön ins Schwitzen kam. Auch, wenn hier inzwischen deutlich frischere Temperaturen herrschen, haben wir zumindest tagsüber meistens noch strahlenden Sonnenschein. Am Sonntag konnte man sogar noch in kurzen Hosen das Haus verlassen. Das sollte man jetzt in Paris oder Bonn wohl besser nicht versuchen… 😉

Am kommenden langen Wochenende geht es wieder auf die Reise, diesmal mit einem gemieteten Auto und drei Freunden in den Norden Spaniens, wo wir einige Städte besuchen werden! Ich kann also guten Gewissens behaupten, dem Alltag wieder vollständig entkommen zu sein!

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Cornelius Lilie

I am a student of History and Political Studies at Bonn University in Germany and I will study at Valencia, Spain for a semester.

1 CommentLeave a comment

  • … Und in Aberdeen sollte man wohl erst recht nicht versuchen, mit kurzer Hose die Wohnung zu verlassen. Inzwischen fällt hier hin und wieder schon Schnee, wenn er auch nur recht kurz liegen bleibt. (Was natürlich wie immer ein paar Schotten nicht davon abhält trotzdem Flipflops zur langen Hose zu tragen. Bei Bodenfrost nachts.) Sehr schöner Beitrag, du alte Frostbeule 😛