Blogventure – We blog our adventure

Nachdem wir uns am Vorabend für die Rettung aus unserem Trampingdesaster revangiert haben, indem Jonas und ich für Esther und Molly gekocht haben, erkunden wir heute Nelson. Das kleine Städtchen an der Nordküste der Südinsel hat zwar keine großen Attraktionen, versprüht aber einen gewissen Charme. Meine Empathie können die anderen drei nur bedingt teilen. Ich kann nicht mal genau erklären warum, aber ich mag Nelson irgendwie.

Nachdem wir einige Zeit durch die Straßen geschlendert sind und dabei alle „Sehenswürdigkeiten“ der Stadt abgeklappert haben, wollen wir uns gerade auf den Heimweg zum Hostel machen, als ich auf einem Schild „Center of New Zealand“ lese. Wir denken es handelt sich um eine Art Museum oder Ausstellung und folgen der Beschilderung. Zunächst queren wir eine große Wiese, bis wir am Fuße eines Hügels stehen, als mir etwas anderes in den Sinn kommt. Und in der Tat, als wir den Hügel bestiegen haben, ist zu unseren Füßen eine eiserne Platte in den Boden eingelassen. Es handelt sich offensichtlich nicht um ein Center von Neuseeland sondern um das Zentrum. Moment! … Habe ich also tatsächlich schon die Hälfte von Neuseeland bereist (geographisch)? Ich bin doch erst seit drei Monaten hier? Das verwundert mich jetzt aber wirklich. Wenigstens muss ich mir keinen Stress machen, dass ich in meinem Auslandsjahr zu wenig sehen werde. Gut, die Südinsel ist grundsätzlich reicher an Bergen und weniger flach, da werde ich wohl länger für brauchen. Es schadet ja nicht, etwas Zeit auf Reserve zu haben. Trotzdem kann ich nicht ganz glauben, dass ich die Hälfte hinter mir habe.

Abends schreibe ich noch Bewerbungen für allerlei Jobs. Ein Blick auf mein Konto hat mir doch klar gemacht, dass ich langsam wieder dringend Geld verdienen muss. Angebote gibt es eigentlich reichlich, nur gibt es halt tausende Backpacker die ebenfalls ihr Glück probieren. Und abgesehen von Greenpeace, hat sich bislang noch niemand zurück gemeldet. Mal abwarten, was daraus wird.

Während Esther und Molly mit unseren großen Rucksäcken im Kofferraum bereits auf dem Weg nach Motueka sind, warten Jonas und ich noch auf unseren Bus. Auch wenn die heutige Strecke vergleichsweise kurz ist, war uns der Bus nach dem letzten Versuch zu trampen doch lieber. Da weiß man wenigstens, dass man ankommt.
In Motueka bleiben wir nur wenige Tage und entspannen hauptsächlich. Wenn man in einem Hostel mit Pool wohnt, dann muss man das auch ausnutzen 😉

 


 

Der längste Tag meiner Reise

Nach der kurzen Pause sind Jonas und ich wieder motiviert und hoffnungsvoll genug, um es nochmals mit dem Trampen zu probieren. Während die Mädels wieder unsere großen Rucksäcke mitnehmen, stellen wir uns an den Ortsausgang von Motueka, strecken wieder den Daumen raus und warten. Nachdem wir beim letzten Mal durchschnittlich eine Stunde gewartet haben, bis ein Auto angehalten hat, bin ich heute doch etwas angespannt und verunsichert, ob wir hier wegkommen. Glücklicher Weise gibt es nur eine Straße zu unserem nächsten Zielort. Ein großer Vorteil ist ebenfalls, dass wir heute nur leichtes Gepäck mit uns rumschleppen. Uns wurde gesagt, dass viele Autofahrer mehr auf den Umfang des Gepäcks achten, als auf die Personen selber. Ist natürlich verständlich, schließlich muss ja auch alles irgendwo in den Wagen passen. Überraschender Weise hält nach nicht mal drei Minuten eine Frau an und bietet uns eine Fahrt an. Nach kurzer Zeit stellen wir fest, dass Steffi ebenfalls Deutsche ist. War ja klar, nicht nur die meisten Backpacker sind deutsch, sondern auch die Anwohner, die man trifft. Schnell erfahren wir von ihr, dass sie eine Art Farm hat und immer auf der Suche nach Helfern ist. Sie bietet uns an, dass wir direkt mitkommen und bei ihr wohnen können. Das ist wohl eine dieser typischen Geschichten: man trampt von einem Ort zum nächsten, wird von einer fremden Person mitgenommen und es wird einem direkt ein Arbeits- und Schlafplatz angeboten. Ich fühle mich an die Frau im Supermarkt erinnert, die uns ebenfalls eine Adresse für einen Job gegeben hatte. Wir fahren mit Steffi zu ihrer Farm, die auf der Spitze des Berges zwischen Motueka und Takaka (unser eigentlicher Zielort) und sie führt uns herum. Neben einer Hütte in der sie schläft, steht ein alter Bus, der für uns vorgesehen ist. Es handelt sich um einen Bus, wie in dem Film „Into the Wild“. Wohnen in einem Bus, mitten in der Natur, nur im Schlafsack, für mich eine Vorstellung von Freiheit. Das würde ich gerne für ein paar Tage mal machen. Doch Sekunde… unsere ganze Kleidung ist in unseren großen Rucksäcken und die befinden sich jetzt schon in Takaka. Außerdem habe ich keinen Schlafsack und muss mich um einen Job kümmern. Bevor wir das Angebot also ohne nachzudenken annehmen, lehnen wir es lieber ab. Ich persönlich möchte erst eine Arbeitsstelle finden und vielleicht dann nochmal wieder kommen. Auf meinem Handydisplay sehe ich einen verpassten Anruf einer mir unbekannten Nummer. Jonas zeigt sich von dem Leben ohne Strom und begrenzt warmen Wasser wenig begeistert. Daher lassen wir uns von Steffi wieder an die Hauptstraße zurückfahren und wir verabschieden uns fürs erste. Als letzten Ratschlag, den sie uns mitgibt, schlägt sie vor, dass wir den LKW-Fahrer, der etwa 50 Meter entfernt von uns steht, doch fragen können, ob er uns mitnehmen kann. Er arbeitet für eine Firma mit Sitz in Takaka. Gesagt, getan. Tatsächlich kann er uns mitnehmen und kurze Augenblicke später sitzen wir in seinem Truck. Für mich hat es etwas absolut klischeehaftes, als Backpacker beim Trampen von einem LKW mitgenommen zu werden. Daher wollte ich es wenigstens einmal wirklich machen. Und ich muss sagen, es hat wirklich etwas Besonderes im Führerhäuschen mitzufahren. Ich fühle mich wieder wie als Kind. 😀 Ich habe großen Respekt vor den Fahrkünsten dieses Mannes, denn die extrem steile und kurvige Strecke ist selbst mit dem Auto anspruchsvoll.
Als wir in dem Ort ankommen, der wie ein Sommerhit von 2012 heißt (Takata), erkenne ich schnell, dass die Beschreibungen stimmen. Takaka ist wirklich ein Hippieort. Neben Geschäften mit Traumfängern und Batiktüchern, findet man alternative Bars und Cafés, Naturheiler und die Menschen laufen rum, als kämen sie gerade vom Woodstock-Festival. In meinen Jeans und T-Shirt komme ich mir schon fast spießig vor.
Nachdem wir im Hostel eingecheckt haben, erzählt mir Esther von einem Vorstellungsgespräch, zu dem sie und Molly eingeladen wurden und sie fragt mich, ob ich ebenfalls einen Anruf von Tallyes bekommen habe. Ich verneine die Frage, obwohl das vielleicht den verpassten Anruft erklärt… keine zehn Minuten später werde ich tatsächlich von Tallyes angerufen und ebenfalls zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Das heißt, morgen geht es wieder zurück nach Motueka. Naja, auch wenn das Trampen heute dann ziemlich nutzlos war, so haben wir wenigstens etwas erlebt. Da wir nun wissen, dass wir morgen wieder zurück fahren, wollen wir heute noch ein paar Orte in der „Golden Bay“ besuchen. Wir setzen uns in Mollys Auto und fahren los. Wir waren offen gestanden an so vielen Plätzen entlang der “Golden Bay”, dass ich mir nach dem langen Tag einfach keine Ortsnamen mehr merken konnte. Leider waren die Fotos auf Grund von schlechtem Wetter nicht so schön.

Gefühlt ist heute so viel passiert und ich habe meine Pläne (wie immer) so oft geändert, dass es für mich der längste Tag meiner bisherigen Reise war. Aber ich habe auch einiges erlebt und gesehen.


 

Morgen geht es dann wieder zurück nach Motueka zum Vorstellungsgespräch. Mal schauen, was daraus wird…

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.