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Wenn man als Backpacker durch Neuseeland reist, wird man früher oder später von den neun “Great Walks” hören. Dabei handelt es sich um mehrtägige Wanderungen mit einer Länge zwischen 32 und 145km, die es zu bezwingen gilt. Sie sind verstreut über das ganze Land und unglaublich beliebt. Es gibt meistens zwei Möglichkeiten die Nächte auf diesen Touren zu verbringen:

  1. Man schläft in einer der überteuerten, stromlosen Hütten in einem Schlafsack oder
  2. Man nimmt sich ein Zelt mit

Da ich weder Schlafsack noch Zelt mit mir führe und die so genannten DOC-Huts bis April ausgebucht sind, blieb mir die Chance bislang verwehrt, eine der neun Wanderungen zu genießen. Offen gestanden, habe ich auch keine Lust nur für ein, zwei Wanderungen mir extra ein Zelt zu kaufen und es mit mir rum zu tragen. Mein Rücken bringt mich jetzt schon um. Naja, wenigstens trage ich nicht mehr das Kilo Zucker mit mir rum, aber das ist eine andere Geschichte…


 

Der Vorteil des Abel Tasman Walk liegt darin, dass der Track mehr oder weniger direkt am Wasser verläuft und man kann sich mit einem Wassertaxi zu verschiedenen Punkten kutschieren lassen. Dies erlaubt es einem Teilstücke zu gehen, für die man nur einen Tag braucht. Ehrgeizig wie wir sind, entschließen wir uns für eine Strecke von 30km (von 55km Gesamtstrecke).
Früh morgens stehen wir auf, um von unserem Hostel nach Marahau zu fahren, wo wir auf unser Wassertaxi warten. Die Schnellboote sind für rund 20 Personen ausgelegt. Nachdem etwa 25 Personen eingestiegen sind, werden noch acht Kanus oben drauf gepackt. Ich fühle mich an meinen Urlaub in der Türkei erinnert, als wir mit gefühlt 15 Leuten im Kleinbus saßen. Sobald die Polizei vorbei fuhr, musste man sich halt ducken. Wer das schon mal erlebt hat, weiß, was das für ein Spaß ist. Hoffnungslos überladen legen wir ab und der Fahrer drückt gut aufs Gaspedal. Wir fahren etwa 20 Minuten entlang der Küste und erhaschen schon einmal einen ersten Blick, auf das, was uns heute erwartet. Meine Vorfreude steigt. Obwohl wir nur eine Fahrt bis zu „unserer Bucht“ bezahl haben, nimmt der Fahrer uns noch ein gutes Stück weiter mit, wo wir uns von den Kanuten verabschieden. Endlich haben wir Platz, um uns gemütlich breit zu machen.

Auf der Rückfahrt zu unserem Ziel, hält der freundliche Fahrer noch an einer kleinen Seitenbucht, die man von der Wanderstrecke aus nicht sehen kann, um uns die heimischen Seerobben zu zeigen. Nach dem gratis Sightseeing geht es dann endlich zu unserem eigentlichen Ziel; Onetahuti. Über einen kleinen Steg am Heck des Bootes steigen wir aus.

Das Ziel für heute lautet also: Die 30km überwinden und viele Eindrücke sammeln. Rucksack aufgeschnallt und los!

Die erste Kulisse alleine überwältigt mich schon. Sofort wird mir klar, warum der Abel Tasman Track und der Abel Tasman National Park im Allgemeinen so beliebt sind. Trotz der angenehmen 18°C ist es in der Sonne schon jetzt relativ warm. T-Shirt und kurze Hose reichen vollkommen aus und ich bin froh, dass wir die Wanderung jetzt im Frühjahr und mit nur leichtem Gepäck machen. Im Sommer mit Zelt, Schlafsack und Nahrungsmitteln hier rum zu stiefeln, stelle ich mir weniger angenehm vor. Schon jetzt läuft mir der Schweiß die Schläfen herunter. Das könnte aber auch an meiner aktuell miserablen Kondition liegen.
Bereits nach wenigen Minuten habe ich einen Vorsprung vor den Mädels aufgebaut. Immer wieder warte ich auf die Beiden an Weggabelungen oder Wegweisern. Einmal treffen wir sogar Stephan aus unserem Hostel wieder. Kurzer Austausch über die Strecke und dann geht es auch schon weiter. Irgendwann entschließen wir uns, es sei besser, getrennt zu wandern. Wir machen einen Treffpunkt aus und ich marschiere weiter, während Esther und Molly ihre Mittagspause einlegen. Ich passiere Hängebrücken, Wasserfälle, große und kleine Buchten, eine schöner als die andere.

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Mit Musik in den Ohren schwebe ich gefühlt über die ersten 15km, bis auch ich meine Pause einlege, um auf die Anderen zu warten. Theoretisch müssen die beiden an meiner Position vorbei kommen, zumindest wenn sie dem Pfad folgen, aber es kommt, wie es kommen muss und wir verpassen uns irgendwie. Nach anderthalb Stunden Wartezeit habe ich genug, und ziehe weiter. Ich kann nicht ganz glauben, dass sie immer noch hinter mir wandern, aber mittlerweile trauen ich ihnen einiges zu.

Immer wieder verlasse ich den eigentlichen Hauptweg und folge kleinen Trampelpfaden, die meistens zu Aussichtspunkten führen.

Leider war dies nicht immer der Fall und einmal hätte ich mich dann doch fast verlaufen…
Nachdem ich Kilometer 20 erklommen habe, spüre ich dann doch meine Beine. „Morgen hast du Muskelkater“, denke ich mir. Ich sollte Recht behalten.
Der Weg wird langsam flacher und die Anzahl der Wanderer nimmt ab. Immer noch kein Zeichen von Esther und Molly. Ich bin mir nicht mal sicher ob sie vor oder hinter mir sind. Mein Plan ist es zum Auto zu gehen und dort dann zu warten, sofern sie nicht schon vor mir dort ankommen.

Als ich am späten Nachmittag endlich bei Mollys Wagen ankomme, sitzen die zwei Chinesinnen bereits drinnen. Jedoch sind sie augenscheinlich selbst erst vor wenigen Minuten angekommen. Meine Beine sind nun ziemlich ausgelaugt und ich freue mich jetzt schon auf den heißen Pool im Hostel!

Fazit: Der Abel Tasman Walk war bislang der schönste Ort, den ich in Neuseeland gesehen habe. Definitiv ein Empfehlung für alle Reisenden!


 

Am Montag beginnt dann mein erster bezahlter Job, ich bin mal gespannt!

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.