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NZ #22 Berge und Meer

Da ich gestern doch etwas über die Stränge geschlagen habe, sitze ich jetzt verkatert auf dem Beifahrersitz des Autos, während Molly die kurvige Strecke nach Kaikoura abfährt. „Blödes Kingfisher (Biersorte)!“ denke ich mir nur. Nach 40km passieren wir den Punkt, an dem ich damals mit Jonas vergeblich versucht habe eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Molly und Esther sind die ganze Strecke zurück gefahren, um uns aufzugabeln. Ich bedanke mich nochmals bei ihnen, da mir jetzt erst bewusst wird, wie lange und unangenehm die Fahrt dorthin ist.
Bald erreichen wir auch schon den Pazifik. Entlang der Küste schlängeln wir unseren Weg immer Richtung Süden. Nach einem kurzen Stopp in einer Robben-Bucht geht es auch schon weiter.

Wir halten im kleinen Städtchen Kaikoura, wo wir die erste Nacht verbringen. Unser Hostel liegt direkt am Meer und der Ausblick kann sich durchaus sehen lassen. Genau wie die Robbe neben uns, entspannen wir für einige Zeit am Strand.

Immer wenn Leute in Deutschland mich gefragt haben, warum ich denn ausgerechnet nach Neuseeland fliegen möchte, habe ich meistens gesagt: „ Man kann Berge und Meer an einem Tag sagen.“ Hier ist es zum ersten Mal wirklich der Fall.

Gerne würde ich hier ein paar Tage verbringen, doch unser Zeitplan ist relativ straff, daher fahren am nächsten Morgen schon früh wieder weiter Richtung Christchurch. Hier bleiben wir aber nur für wenige Stunden zum Einkaufen. Da wir die letzte Zeit so viel gearbeitet haben, möchten die Mädels heute unbedingt shoppen gehen. Es ist der 26.12. – „Boxing Day“ in Neuseeland. Ich kenne die Hintergründe zwar nicht, aber ich würde es mit dem amerikanischen „Black Friday“ vergleichen. Alle Preise sind meistens bis zu 50% reduziert, daher rennen riesige Menschenmassen in die Einkaufsmeilen, um sich Dinge zu kaufen, die sie zwar eigentlich nicht brauchen, aber „Es ist ja so günstig, da muss man doch zuschlagen“. Dementsprechend sind auch die Parkplätze überfüllt und man muss sich eine freie Parklücke regelrecht erkämpfen. Wir brauchen wortwörtlich 20 Minuten dafür. Ich persönlich brauche abgesehen von Lebensmitteln rein gar nichts, daher schaue ich mir das bizarre Spektakel einfach nur an. Noch nie war ich in einer so überfüllten Einkaufsstraße.

Am Nachmittag fahren wir dann weiter nach Akaroa. Der Ort liegt etwa anderthalb Autostunden östlich von Christchurch an der Küste einer Halbinsel, die (meiner Einschätzung nach) durch vulkanische Aktivität entstanden ist. Aber die Bilder sprechen für sich.

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Aus Versehen biegen wir falsch ab, weswegen wir die Touristenroute entlang fahren. Sie ist zwar doppelt so lang, wie der direkte Weg, aber dafür sehen wir noch mehr von der Halbinsel. Nochmal Glück gehabt!

Kaikoura an sich wirkt eher wie eine französische Siedlung: französische Straßennamen, französische Fahnen (überall!), französische Speisekarten. Aber… schick!

Unser Hostel liegt mehrere Kilometer außerhalb des Ortes, irgendwo im Nirgendwo. Es ist bislang die beste Unterkunft, in der ich in Neuseeland war. Sie hat einfach einen gewissen Charme, zumal man hier wirklich seine Ruhe hat. Abends klettern wir noch einen der Hügel hinauf, um uns ein Gesamtbild der Umgebung zu machen.

Von Akaroa bin ich absolut begeistert! Vor allem, war es für mich eine absolute Überraschung. Es gibt gewisse Orte und Sehenswürdigkeiten von denen man auf jeden Fall hört, wenn man durch Neuseeland reist. Z.B. der Hot Water Beach, Milford Sounds, oder der Abel Tasman National Park. Aber nicht ein einziges Mal wurde mir diese Gegend empfohlen.

Den nächsten Tag verbringen wir noch in der Stadt und liegen im Park, während ich meinen ersten Sonnenbrand bekomme. Mist. Am späten Nachmittag geht es zurück nach Christchurch, wo ich am späten Abend meine Schwester von Flughafen abholen werde. Als feststand, dass sie mich besuchen kommt, war es für mich zeitlich gesehen noch ganz weit weg. Doch wie es so ist, die Zeit rennt auch hier, und plötzlich ist sie ebenfalls in Neuseeland. Während ich mit Hester im Wagen sitze und das GPS meines Handys einschalten möchte, schaue ich auf meine Akku-Anzeige: 12%. Das wird knapp. Denn ich muss nicht nur den Weg raus aus der Stadt zum Flughafen, sondern auch wieder zurück zum Hostel finden. Und das nachts in einer Stadt wie Christchurch, also einer Dauerbaustelle, obwohl ich zum ersten Mal hier bin. Ich sage es nicht gerne, aber ich bin abhängig von meinem Handy. Was passiert, wenn ich meine Schwester nicht erreichen kann. Friederike erwartet, dass ich sie abhole. Außerdem kennt sie die Adresse des Hostels nicht. Meine Anspannung steigt doch etwas an. Im Ankunftsbereich des Flughafens erkenne ich sie – Erleichterung. Wir nehmen uns lächelnd in den Arm, obwohl ich es immer noch nicht ganz glauben kann. Sie ist jetzt hier. Komisch, die Heimat war jetzt so lange so weit weg und jetzt ist meine Schwester da. Es wird noch einige Tage dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe. Auf dem Rückweg steigt dann doch nochmal der Puls. Kurz nachdem wir an unserer Unterkunft ankommen, verabschiedet sich mein Handy, das war knapp. Alle sind wie erschlagen von der Fahrt bzw. dem Flug. Nach ein paar Runden Karten spielen, liegen wir alle im Bett.
Die Nacht ist kurz und am nächsten Tag geht es auch schon weiter nach Oamaru. Unser neues Hostel ist ein altes, großes Haus, welches zur Hälfte noch als Galerie genutzt wird. Jeder der möchte kann sich hier an einer der Leinwände austoben. Zudem gibt es eine große Auswahl an Musikinstrumenten zur freien Verfügung. Ein richtiges Künstlerkollektiv.

Es ist immer ein reines Glücksspiel, manchmal hat man richtig schöne Zimmer und es ist sauber, manchmal hat man Schimmel in der Dusche. Das weiß man vorher nie wirklich. Hier haben wir nochmal einen Glückstreffer gelandet.
Als die Dämmerung einsetzt fahren wir an die Küste, um frei lebende Pinguine zu finden. Da sie relativ weit entfernt standen, konnte ich keine Fotos machen. Durch ein Spielzeug-Fernglas können wir sie jedoch gut erkennen. Gut, wirklich viel Spannendes machen sie nicht gerade. 😀 Zurück im Hostel sind wir wieder ziemlich platt. Dass wir an jedem Ort jeweils nur eine Nacht verbracht haben, hinterlässt seine Spuren. Man kommt irgendwie nicht zur Ruhe und kann sich kaum erholen.

 

Wir alle sind uns einig, dass es eine gute Idee war zwei Nächte in der nächsten Stadt zu buchen: Dunedin. Eine Studentenstadt, jung und dynamisch, und dazu gibt es dort die steilste Straße der Welt!

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.