Blogventure – We blog our adventure

Wieder einmal sitze ich im Bus, die Sonne scheint mir durch die staubige Scheibe in mein Gesicht, während meine Schwester neben mir friedlich döst. Wir sind nur noch zu zweit unterwegs, nachdem wir uns vor wenigen Tagen von Esther, Hester und Molly verabschiedet haben.
Sich von meinen drei Freundinnen zu verabschieden ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe die letzten dreieinhalb Monate mit ihnen verbracht und sie dabei jeden Tag gesehen. Wir sind wirklich gute Freunde geworden und nur von wenigen Freunden kann ich sagen, dass man so viel gemeinsam erlebt hat. Doch jetzt wird es Zeit, dass ich weiterziehe. Am Abend unseres Abschiedes zeige ich meiner Schwester Nelson. Nach knapp drei Monaten bin ich nun zum zweiten Mal hier. Ich fühle mich wie ein Fremdenführer, während ich Friederike zum Zentrum Neuseelands führe. Als wäre ich plötzlich zum Experten aller Sehenswürdigkeiten geworden, der sich überall auskennt… Natürlich bin ich kein Experte geworden, aber es macht mir Spaß meine Erlebnisse mit jemandem zu teilen, den ich gut kenne. Diese Erkenntnis wird mir in den nächsten Tagen auch noch öfter auffallen.
Tags drauf fahren wir mit dem Bus nach Westport. Hier gibt es eigentlich nicht viel Spannendes zu sehen und da ich meine Schwester seit Monaten nicht mehr gesehen habe, sitzen wir den ganzen Tag in einem Café und reden. Stundenlang. Und ich genieße es sehr; Ich erzähle Geschichten, die ich hier erlebt habe, sie erzählt mir von Dingen, die sich zu Hause geändert haben. In diesem Moment spielt Zeit keine Rolle, denn wir haben keine Termine oder müssen dringend etwas erledigen. Zum ersten Mal seit Tagen verbringen wir zwei Nächte im selben Ort. Daher genießen wir es einfach die Beine auszustrecken, Kaffee zu trinken und uns zu unterhalten. Wenn mich jemand fragen sollte, wo ich es schätzen gelernt habe, eine einfache und trotzdem intensive Unterhaltung zu führen, dann war es hier. Westport bleibt für mich der Ort einer schönen Unterhaltung, einer schönen Erinnerung.

Während wir im Bus von Westport zum Franz Josef Gletscher sitzen, denke ich darüber nach, dass jetzt die Hälfte meiner Reise vorbei ist. Die Gefühle über diesen Gedanken überschlagen sich. Natürlich vermisse ich gewissen Personen und Dinge von zu Hause, andererseits fühle ich mich hier wohl und habe gerade nicht das Bedürfnis wieder nach Deutschland zu fliegen. Immerhin bleiben mir noch sechs Monate Zeit. Trotzdem kann ich nicht glaube, wie schnell hier die Zeit vorbei geflogen ist!
Der Bus hält an – Hotikika, Pancake Rocks.
Nochmals schauen wir uns die ungewöhnlichen Gesteinsformationen an, bevor wir eine halbe Stunden später wieder Richtung Franz Josef Gletscher weiterfahren.

Eigentlich muss man, wenn man schon mal da ist, auch auf den Gletscher hinauf. Allerdings kosten die Touren 200$ (aufwärts) und das Geld hab ich einfach gerade nicht. Zumal schlechtes Wetter und die aufkommende Müdigkeit uns im Wege stehen. Die achtstündige Busfahrt hat doch ziemlich geschlaucht.
Am nächsten Morgen regnet es in Strömen, während wir im Eingang des Hostels auf unseren Bus warten. Heute liegen wieder acht Stunden Busfahrt vor uns. Das mag sich jetzt extrem nervig und unangenehm anhören, aber auf diese Weise sieht man einfach etwas vom Land. Daher hat es für mich eher etwas von einem Ausflug, nur das man an Punkt A startet und an Punkt B ankommt. Während der Fahrt halten wir mehrmals an verschiedenen Aussichtpunkten und Raststellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Erst ein Aussichtspunkt an der Westküste, dann ein Wasserfall mitten im sub-tropischen Wald und dann eine Haltestelle mitten endloslanger Felder.

Am frühen Abend kommen wir in Queenstown an. Ringsherum um die Stadt befinden sich Berge, ein See vor der Haustür und mehr als 220 Restaurants und Bars in einem Ort mit 13.000 Einwohnern (und mindestens genauso vielen Backpackern), nice! Wenn Dunedin die Studentenstadt Neuseelands ist, dann ist Queenstown definitiv die Partystadt Neuseelands!

Für den nächsten Morgen haben wir uns eine Wildwasserraftingtour gebucht. Nachdem wir unsere Neoprenanzüge und Schwimmwesten erhalten haben, geht es mit einem alten Kleinbus auf einer Schotterpiste die angrenzenden Hügel rauf und runter. Alleine die Fahrt zum Startpunkt ist für mich Adrenalinkick genug. Nach etwa dreißigminütiger Fahrt entlang von extrem (!) steilen Abhängen und engen Kurven, erreichen wir die Station. Ich muss zugeben, dass ich froh bin, den Rückweg auf einem Schlauchboot zurücklegen zu können. Wir werden in Gruppen eingeteilt, erhalten eine Einweisung und dann geht es auch schon los. Zu Beginn lernen wir die einzelnen Kommandos, die wir von unserer Leiterin während der bevorstehenden Fahrt erhalten werden. Abwechselnd rudern wir vor und zurück, schmeißen uns alle auf die linke und rechte Seite des Bootes oder hocken uns in die Mitte, um uns vor Stromschnellen zu schützen. Im ruhigen Gewässer klappt das auch noch ganz gut. Als die ersten Stromschnellen kommen, wird es aber doch hektisch. Die Wellen kommen, man rudert, es wird nass, es wird kalt, es macht Spaß! Unfassbaren Spaß! Nach der ersten halben Stunde erreichen wir wieder ruhige Gewässer und wir dürfen in den Fluss springen. Nach wenigen Sekunden bemerke ich, dass es keine gute Idee war, denn das Wasser ist eiskalt! Fröstelnd lasse ich mich wieder ins Boot ziehen, bevor es endlich richtig losgeht! Das Wasser peitscht mit aller Macht von links, rechts und vorne auf unser Boot, wir paddeln und paddeln. Wir arbeiten als Team, schmeißen uns alle auf die linke Seite, paddeln noch mehr und verkriechen uns in die Mitte, bevor es eine Abfahrt herunter geht. Als Abschluss passieren wir einen Tunnel, der von Bergmännern in den Fels geschlagen wurde, bevor es die letzte Abfahrt hinunter geht. Geschafft! Zwei Stunden Wildwasserrafting – absolut genial und empfehlenswert!

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Nachmittags gelangen wir per Gondel auf einen der anliegenden Berge, wo wir die Aussicht genießen und ein paar Runden mit einer Art Sommerrodelbahn fahren. Das Durchschnittsalter dürfte zwar unter 21 liegen, aber man ist ja so alt, wie man sich fühlt 😉

Zwei Tage später sitzen wir wieder einmal im Bus. Dieses Mal geht es nach Christchurch ins Gefängnis. Ja richtig gelesen – wir übernachten in einem Gefängnis. Gut, es ist ein ehemaliges Gefängnis, welches aber noch bis 1999 als solches genutzt wurde. Als Abschluss wollten wir uns eine kleine Besonderheit gönnen, daher haben wir uns dieses Hostel ausgesucht. Natürlich ist es nicht besonders gemütlich, aber dafür umso einzigartiger. Manche Zellen sind noch mit originalen Möbelstücken und Gegenständen ausgestattet. Es ist, als würde man in einem Museum übernachten. Für mich ist es das erste Mal, dass ich in einem „Erlebnis-Hostel“ übernachte und es ist sein Geld durchaus wert! Hier würde ich zwar keine Woche schlafen wollen, aber für ein, zwei Nächte durchaus lohnenswert.

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Morgen steht ein absolutes Highlight an: Wir fliegen auf die Fidschis! Darauf habe ich mich so lange, so sehr gefreut! Endlich ist der Tag gekommen! Während ich abends den Inhalt meines Rucksackes neu sortiere, halte ich auf einmal meinen Adapter in der Hand.
„Welche Stecker benutzen die eigentlich auf den Fidschis?“ frage ich meine Schwester. Irgendwas vergisst man ja doch immer. Ich räume meine Habseligkeiten wieder in meine tragbaren Kleiderschrank und Friederike stöbert auf einer Art „Fidschi-Wiki“ bis sie die Antwort findet. „Ok, das mit dem Stecker sollte kein Problem sein. Aber da ist auch gerade Zyklon-Zeit…“
Wie bitte?! Wenn ich mein Handy eine Woche nicht aufladen kann, ist das eine Sache, aber in der Hauptsaison für Naturkatastrophen muss ich nicht unbedingt in ein Land reisen und seien es auch die Fidschis…

Etwa 12 Stunden später

Wir sind mitten in der Nacht aufgestanden, um unseren Flieger von Christchurch nach Auckland zu besteigen. Jetzt sitze ich im Flugzeug, welches uns nach Nadi (internationaler Flughafen auf den Fidschis) bringen soll, als ich folgende (sinngemäße) Durchsage vom Piloten höre: „Liebe Gäste, in wenigen Augenblicken starten wir Richtung Nadi. Allerdings werden wir einen kleinen Bogen fliegen müssen, da gerade ein kleiner Zyklon auf dem Weg ist. Es sollte jedoch kein Problem sein.“
Da ich in diesem Moment auch nichts mehr ändern kann, gebe ich mich meinem Schicksal hin und schalte den Film „Cast Away“ ein. (Kein Witz) In diesem Film stürzt Tom Hanks mit einem Frachtflugzeug ab und muss auf einer einsamen Insel überleben. Vielleicht kann ich noch etwas von ihm lernen?…

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.