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Wenn man sich das Outback Australiens vorstellt, dann kommen einem wohl vor allem roter Sand und endlos lange Straßen in den Sinn. Und das ist auch absolut richtig. Die Vorstellung für mehrere Hundert Kilometer geradeaus zu fahren mag sich entspannt anhören, aber mal ganz ehrlich, es ist sowas von stinklangweilig! Während die ersten zwei Stunden noch gut vorbeigehen, kämpfe ich danach zusehend mit meiner Müdigkeit. Es gibt wenig Verkehr, kaum Abbiegungen und wenig Unterhaltung. Lediglich die riesigen Road-Trains (LKW) bieten Unterhaltung. Ich muss zugeben, die Fahrt habe ich mir etwas anders vorgestellt. Die Landschaft ist wie erwartet geprägt vom rostig-roten Sand Australiens, toten Kängurus am Straßenrand und angeschwärzten Bäumen, die anscheinend einen Waldbrand abgekommen haben.
Erleichtert steigen wir abends aus unseren Autos. Während Olli die Angel auswirft, wird gekocht und nach dem Sonnenuntergang können wir einen Mondaufgang betrachten.

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Die Sache mit den Tieren

Ein Punkt weswegen ich mich damals gegen Australien und für Neuseeland entschieden habe, waren die giftigen Tiere. Wie die meisten hatte ich wohl das Bild des „tödlichen Kontinents“ vor Augen, als ich an Australien dachte. In der Tat gibt es hier theoretisch viel, was einen umbringen könnte. Zum Beispiel habe ich während unserer Fahrt aus Versehen eine Brown Snake überfahren, die zweitgiftigste Schlange der Welt. Oder Marco hatte während seiner Arbeit auf einer Plantage eine Redback-Spinne auf dem Handrücken. Die Schmerzen, die auf einen Biss einer weiblichen Spinne folgen, werden als „unerträglich“ beschrieben, enden aber meistens nicht tödlich. Außerdem sollte man während der Quallensaison lieber nicht ins Meer springen, sonst könnte es das letzte Mal gewesen sein.
Aber man muss eines ganz klar sagen, wenn man die Augen offen hält und sich an Warnungen und Hinweise hält, passiert eigentlich nichts. Extrem selten stirbt ein Mensch durch einen Schlangenbiss (ein bis zwei Fälle pro Jahr), bei Spinnen ist es noch viel seltener. Vor allem durch Medien, die durch das Image des giftigen Kontinents Aufmerksamkeit bekommen, ist ein etwas übertriebenes Bild von Australiens Fauna entstanden. Wenn man sich umsichtig verhält und vor dem Hinsetzen die Klobrille auf Spinnen überprüft (kein Witz), dann sollte nichts passieren.

 


 

Immer weiter…

Den nächsten Tag verbringen wir wieder auf der Straße, um möglichst weit in den Westen des Landes einzudringen. Tankstellen werden seltener, es gibt keine großen Supermärkte mehr, sondern nur noch kleine Läden und der Akzent der Einwohner ähnelt auch immer mehr Kauderwelsch. Zusätzlich gibt es immer seltener Handyempfang, weswegen die Navigation schwieriger wird. Im Schein der letzten Sonnenstrahlen, erreichen wir unser heutiges Tagesziel.

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Mit dem Lieblingsgetränk aller Backpacker in Australien, Goon, stimmen wir den Abend ein, in der Hoffnung einen atemberaubenden Sternenhimmel zu sehen.

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Goon ist übrigens extrem billiger Wein. Während eine Box Bier (24-30 Dosen) um die 40$ kostet, schlägt ein 5-Liter-Karton des Arme-Leute-Getränks mit nur 15$ zu buche. Das einzige Problem ist der garantierte Kater am nächsten Tag, aber das weiß man ja leider immer erst zu spät. Jedenfalls sitzen wir an unserem See, mitten im Nirgendwo Australiens und kommen zu folgender Erkenntnis; Die Aussicht ist zwar nicht schlecht, allerdings wird sie leider auf Grund des Mondes – es ist fast Vollmond – nicht viel besser werden, auch wenn wir weiter in die Wüste fahren. Zudem sind unsere Lebensmittel doch schon merklich geschrumpft und leider haben wir auch nicht unendlich viel Zeit für unser Vorhaben. Also umkehren? Naja, wenigstens können wir dann auf Fraser Island. Dann muss es wohl so sein. Ich persönlich habe nach drei Tagen auch genug davon, nur geradeaus zu fahren. Es soll ja doch noch Spaß machen.
Während ich mit Marco das stille Örtchen des Campingplatzes aufsuche, finden wir Anzeigen von einem „Jamie“, der hier anscheinend alle Dauercamper mit dem Nötigsten versorgt. Allerdings gibt es bei ihm nicht nur Brot und Würstchen sondern wortwörtlich alles, was man zum Leben so braucht. Von klassischen Lebensmitteln wie Brot und Milch, über Zahnpasta, Zahnbürsten, Klebeband, Toilettenpapier, Streichhölzer, Obst, Getränke, Gas bis hin zu allem, was man sich vorstellen kann. Außerdem bietet er noch geführte Touren für Touristen an und hat einen eigenen Abschleppdienst. Keine Ahnung wie das funktionieren soll, aber es klingt klasse. 😀 Wir sind fast etwas traurig, dass wir ihn nicht kennen lernen werden.

 

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Als wir am nächsten Morgen den Campingplatz wieder verlassen, treffen wir tatsächlich doch noch auf Jamie und der Typ ist echt ein Knaller. Nicht nur, dass er wie gesagt die Camper mit allem möglichen versorgt, er verkauft die Lebensmittel sogar noch günstiger als im Supermarkt!
„Ich hab noch nie in Australien ne Cola für einen Dollar bekommen, außer man kauft sich eine riesige Packung im Supermarkt. Der Typ ist echt die Härte!“ feiert Marco den kleinen, bärtigen Mann.
„Wir sind hier mitten im Nirgendwo, er muss bestimmt über eine Stunde fahren, um hier her zu kommen und verkauft die Sachen einfach mal so günstig, wow! Was für ein Service!“ Ab sofort wird „Jamie“ für uns ein Inbegriff von außergewöhnlichem Service sein.

Aber apropos „mitten im Nirgendwo“, wir befinden uns immer noch irgendwo in Australien, ohne Handyempfang oder Navigation und unsere Autos haben fast keinen Sprit mehr. Wie finden wir jetzt die nächste Tankstelle? Nachdem ich die anderen Gäste des Platzes gefragt habe, raten sie uns links abzubiegen und in den nächsten Ort zu fahren, dort müsste es eine Tankstelle geben. Allerdings liegt der Ort noch mehr als 40km entfernt. Ok, dann probieren wir es mal. Während wir den vereinzelten Schildern folgen, kommt uns nicht ein einziges Auto entgegen. Mit etwas Glück und der Hilfe des Notfallkanisters kommen wir doch noch rechtzeitig beid er Tankstelle an. Vielleicht sind wir doch nicht ganz für das Outback gemacht. Als wir wieder Empfang haben, richten wir einen Blick auf die Karte und stellen fest, dass wir nicht einmal ansatzweise weit gefahren sind. Mit vollem Tank und um viele Erfahrungen reicher setzen wir unsere Fahrt Richtung Küste fort, um endlich auf Fraser Island zu fahren.

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.