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Fabian Sixtus Körner beschreibt die Einreise in ein tropisches Land in seinem Buch „Journeyman“ wie folgt:
„Es ist ein Ritual, das aus meiner Liebe zu den warmen Gefilden dieser Erde geboren wurde. Das erste, was ich tue, wenn ich mit meinem Gepäck das Flughafengebäude verlasse und mir das tropische Klima mit Wucht die Nebenhöhlen öffnet, ist: Ich tausche meine Schuhe gegen Flip-Flops.
Es ist, als würde damit ein Hebel umgelegt, der bei mir Glückshormone freisetzt. Wärme kriecht durch meine Hautschichten, gelangt in den Blutkreislauf und fließt durch meine Adern. Das fühlt sich an wie eine Streicheleinheit und gleichzeitig wie eine Massage von innen.“

Ich würde es eher etwas direkter und wohl ehrlicher beschreiben: Sobald man das klimatisierte Flughafengebäude verlässt, schlägt einem Hitze ins Gesicht, die einem den Atem abschnürt. Man ringt nach frischer Luft, doch die schwüle Hitze ist unausweichlich. Man beginnt direkt am ganzen Körper zu schwitzen und sucht vergeblich eine kühle Briese… So habe ich mich jedenfalls gefühlt, auch mit Flip-Flops.
Sofort flüchte ich mich in ein Taxi mit Klimaanlage, welches mich für einen Wucherpreis zum Hostel fährt. Nachdem wir das Flughafengelände verlassen haben, bemerke ich, dass der Verkehr hier anders funktioniert als in Deutschland. Es gibt Fahrspuren, aber keiner benutzt sie. Es wird gefahren, wo auch immer man Platz findet. Das Hauptverkehrsmittel sind eindeutig Roller, die sich um die wenigen Autos herumschlängeln. Wenn man an einer Kreuzung oder Abbiegung steht, muss man einfach fahren, ansonsten kommt man nie vom Fleck. Die anderen Verkehrsteilnehmer werden schon Platz machen. Was sich für Westler wie ein Horrorszenario anhört, klappt erstaunlich gut. Man muss – zugegebener Maßen – immer konzentriert bleiben und auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, aber ansonsten funktioniert es. Ich habe in Bali nicht einen Unfall beobachtet.
Nach 30-minütiger Fahrt biegen wir in eine kleine Gasse ein, die eindeutig nicht, wie die Zufahrt zu einem Hostel aussieht. Ich umschlinge meinen Rucksack und mache mich gedanklich darauf bereit los zu sprinten, sobald der Wagen steht, noch bevor mich jemand ausrauben kann. Man wird oft genug vor genau solchen Situationen gewarnt. Das Taxi bleibt vor einer noch viel kleineren Einfahrt stehen. Ich schaue den Fahrer an. Er zeigt auf ein Schild an der Wand: „Pineapple Hostel“.Ich bezahle, steige aus, packe meinen Rucksack und gehe vorsichtig die Gasse entlang.

Seriös kommt mir das nicht vor, aber nach 50 Metern stehe ich tatsächlich vor dem Eingang des „Big Pineappel Hostels“.
„Nur gut, dass ich tagsüber ankomme und nicht nachts, wie Olli“, denke ich mir.

 

Nachdem ich in meinen Schlafsaal eingezogen bin, überquere ich die Hauptstraße, um in das Zentrum von Sanur zu gelangen. Das ist in etwa so, als wolle man eine zweispurige Autobahn zu Fuß überqueren, also besser die Augen offen halten! Die Hitze belastet meinen Körper, aber der Hunger treibt mich voran. Ich strebe ein günstiges Restaurant an, dass mir vom Hostel empfohlen wurde. Ich betrete eine Art Doppelgarage, die mit Küche, Tischen und Stühlen ausgestattet wurde. Beim Warten vor der Theke fällt mir ein, dass mir hier Englisch nur bedingt weiterhelfen wird. Die Bestellung erfolgt mit Händen und Füßen, bezahlt wird erst später. Es gibt nur zwei große Tische, an die man sich setzen kann. Zusammen mit anderen Backpackern sitze ich nun hier und schaue mein Essen an, welches ich noch nicht einhundertprozentig identifizieren kann. Für 1,20€ habe ich einen Teller Reis mit drei Gemüsesorten und einer Cola bekommen – nicht schlecht. Schnell stelle ich fest, dass das balinesische „nicht scharf“ für mich immer noch „ziemlich scharf“ ist. Trotzdem finde ich es klasse, dass hier alle möglichen Leute zusammenkommen, Einheimische und Backpacker, gemeinsam essen und sich austauschen (sofern es die Sprachbarriere zulässt).

Erster Blick auf den Strand

Erster Blick auf den Strand

Wieder zurück im Hostel lerne ich John aus New York und Charlotte aus Frankreich kennen. Zusammen mit den beiden gehe ich nochmals in das günstige Restaurant, bevor wir eine Bar mit Live-Band ansteuern. Und diese Band hat es wirklich drauf! Sie spielen Beatles, Led Zeppelin, Bob Marley, Metallica und allerlei andere Klassiker in einer außergewöhnlichen Qualtiät. Bemerkenswert finde ich vor allem, dass Balinesen eigentlich einen relativ starken Akzent haben, aber sobald sie anfangen zu singen, ist dieser komplett verflogen. Hier komme ich auf jeden Fall nochmal wieder hin!

 

Am nächsten Morgen wache ich auf, schaue in Olli’s offene Augen und wir lächeln uns nur an. Nachdem er mir seinen Flug und die Ankunft bei Nacht geschildert hat, schwärme ich ihm etwas von dem Restaurant und der guten Live-Band vor. Bevor wir uns auf den Weg zum Strand machen, hole ich noch schnell meine Wäsche ab, die ich am Vortag in der Reinigung abgeben hatte. Für umgerechnet 1,33€/kg bekommt man hier die Wäsche gewaschen, gebügelt und eingepackt innerhalb von ein paar Stunden – was für ein Service! Gerade nach dem teuren Australien ist Bali eine wahre Wohltat für den Geldbeutel.
Im Anschluss an unser Frühstück am Meer, laufen wir weiter die Promenade entlang, bis wir uns in einer Bar niederlassen und für ein paar Stunden verbleiben.

Nachdem wir eine Tour für den nächsten Tag gebucht haben, laufen wir wieder in mein geliebtes Restaurant, welches ich endlich Olli zeigen kann. In 24 Stunden war ich nun drei Mal dort Essen. Als Olli plötzlich meint: „Hey, da läuft eine Ratte!“, halte ich es zunächst noch für einen Scherz. Aber dann schaue ich nach unten und sehe tatsächlich eine fette Ratte zwischen meinen Beinen herlaufen.
„Gut, so lange die Ratte hier ist und nicht in der Küche, passt es ja“, rede ich mir ein. „Es ist sowieso mehr ein Problem von Bali und nicht nur von diesem Restaurant.“ Ob das jetzt besser oder schlechter ist, sei mal dahin gestellt. Wir gehen trotzdem in den nächsten Tagen lieber woanders essen…

 

Als wir am folgenden Tag das Haus verlassen, zeigt das Thermometer bereits 25°C an, und das um 09:00 Uhr morgens. Heute besichtigen wir verschiedene Sehenswürdigkeiten Balis. Wieder einmal merke ich, wie chaotisch und doch entspannt hier der Verkehr ist. Ich bin nur verwundert, dass es scheinbar so reibungslos funktioniert. Beim Aussteigen fällt mir auf, dass die Klimaanlage die ganze Zeit auf Hochtouren lief. Sofort bildet sich ein Film auf der Haut und innerhalb von Minuten sind die T-Shirts nass geschwitzt. Man hält sich so lange es irgend geht im Schatten auf. Dafür wird man aber auch mit einer fantastischen Aussicht belohnt!…

Man beachte Nummer 4....

Man beachte Nummer 3….

Während wir ein paar Bilder machen, bittet eine junge Dame Olli um ein gemeinsames Foto. Dass der Freund das Bild schießt, scheint dabei kein Problem zu sein. Zum ersten Mal bemerken wir, wie viele Menschen uns anschauen. Als „weißer“ Mensch fällt man hier anscheinend immer noch auf.

Relativ zügig flüchten wir uns jedoch wieder in das Auto, da man es draußen jetzt schon kaum aushält. Was einem zu schaffen macht, ist natürlich in erster Linie die Luftfeuchtigkeit. In Deutschland sind 30°C für mich zwar kein Grund zur Freude, aber es ist eine trockene Hitze, die ich aushalten kann. Hier schwitzt man einfach immer. Und ich meine wirklich immer. Selbst wenn man nur auf einem Stuhl im Schatten sitzt, laufen einem Schweißperlen die Stirn herunter.
Nach kurzer Fahrt erreichen wir eine Kaffeeplantage, wo wir verschiedene Tee- sowie Kaffeesorten probieren können. Unter anderem Kopi Luwak, den teuersten Kaffee der Welt. Für eine Tasse bezahlt man umgerechnet 3,50€. Zum Vergleich: Für mein Hostel bezahle ich 6€ pro Nacht. Meine Bewertung zu diesem Kaffee lautet: Es ist ganz guter Kaffee. Er hat mir geschmeckt, allerdings könnte ich niemals zwischen dieser und einer anderen Sorte unterscheiden. Mir persönlich reicht schon der normale Filterkaffee von zu Hause. Info am Rande: Für ein Kilogramm Kaffeepulver würde ich ~140€ bezahlen, davon könnte ich hier theoretisch eine Woche leben.

Den letzten Punkt findet man auch nur in Asien...

Den letzten Punkt findet man auch nur in Asien…

Die Temperaturen steigen immer weiter und eine Abkühlung ist nun dringend notwendig. Daher lautet der nächste Stopp Paradise Beach.

Weiter geht es zu einer anderen Tempelanlage, wo ich zum ersten Mal die berühmt-berüchtigten Affen sehe. Noch während ich am Ticketschalter stehe, beobachte ich zwei Mal, wie ein Affe einem Besucher die Sonnenbrille vom Kopf klaut. Gegen Essen gibt der Affe seine Beute wieder her. Hier muss man wirklich aufpassen!

Und augenscheinlich mögen sie den Geschmack von Rollersitzen…

Anscheinend stehen Affen auf Sitzbezüge

Um den Sonnenuntergang zu betrachten fahren wir noch an einen weiteren Strand, allerdings macht ein aufziehendes Gewitter unseren Plan ein wenig zu Nichte.

Leider gehört auch die Verschmutzung zu Bali...

Leider gehört auch die Verschmutzung zu Bali…

Am Abend erleben wir noch etwas sehr kurioses mit der balinesischen Mafia, doch dazu komme ich beim nächsten Mal…

Mein Zwischenfazit nach drei Tagen Bali: Es ist laut, chaotisch, heiß und dreckig, aber trotzdem habe ich Bali irgendwie ins Herz geschlossen. Vor allem die Andersartigkeit macht die Insel interessant. Die Tempel, die engen Straßen, die kleinen Geschäfte und die Menschen sorgen dafür, dass es einem nie langweilig wird. Mehr als einmal laufen wir einfach umher, um uns die Einheimischen „anzuschauen“.

 


Was kommt noch?

Morgen mieten wir uns Roller, um zum Affenwald zu fahren. Die Fahrt an sich wird schon ein reines Abenteuer. Anschließend ziehen wir mit anderen Backpackern in eine Art kleine Villa bevor wir noch auf Gili Air fahren zum Schnorcheln. Achja, und die Sache mit der Mafia… Es wird also nicht langweilig!

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.