Blogventure – We blog our adventure
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Wir verlassen das Flughafengebäude von Ho Chi Minh und uns schlägt eine Luft entgegen, die uns direkt eine Vorahnung gibt, wie die nächsten vier Wochen werden. Glücklicher Weise ist es bereits Abend und dementsprechend nicht mehr ganz so heiß, aber die Luftfeuchtigkeit ist selbst jetzt eine Herausforderung. Bevor wir uns ein Taxi suchen können, müssen wir erst einmal an Bargeld kommen. Der Weg führt natürlich zum Geldautomaten, doch der erste spuckt meine Karte direkt wieder aus. „Diese Bank wird nicht unterstützt“. Mh, das ist mir noch nie passiert. Hätte ich das vielleicht doch besser im Voraus überprüfen sollen? Ich benutze meine neuseeländische Karte, doch auch diese wird nicht akzeptiert. Bei einem anderen Automaten passiert genau dasselbe. Gut, jetzt werde ich doch etwas nervös. Beim dritten Geldautomaten klappt es dann Gott sei Dank. Puh, das hätte sonst ein komplizierter Start werden können.
Im Hostel angekommen, checken wir in unser Zimmer ein und gehen danach sofort los um zu Abend zu essen. Direkt die Straße runter befindet sich ein großes Restaurant. Wobei es so ist, dass die Gäste auf der einen Straßenseite sitzen und die Küche sich auf der anderen Seite befindet. Im 10-Sekunden-Takt kommen die Kellner mit jeweils zwei oder drei Tellern gelaufen. Wir setzen uns hin, bestellen zwei Bier und keine 15 Sekunden später stehen zwei eiskalte Flaschen vor uns. Anschließend bestellen wir verschiedene Gerichte und auch diese brauchen keine 7 Minuten. Also im Thema Schnelligkeit in der Gastronomie können wir ihnen wirklich nichts vormachen – das können die Vietnamesen. Wir fühlen uns an den genialen Service von Jamie in Australien erinnert…

Da uns der Flug doch etwas geschlaucht hat, verbringen wir den nächsten Tag entspannt im Zimmer und planen lieber die bevorstehende Reise, denn bislang hat keiner von uns beiden eine wirkliche Vorstellung davon, was wir sehen möchten. Nachmittags müssen wir leider eines der internationalen Krankenhäuser der Stadt fahren. Grund sind die über 200 Stiche/Bisse die Olli alleine am Oberkörper hat. Beim Arzt stellt sich heraus, dass es nicht nur Mückenstiche, sondern auch Bisse von Parasiten oder anderen Insekten sind, die wir uns wahrscheinlich von den dreckigen Kissen auf Gili Air eingefangen haben. Ganz genau kann es uns aber auch die Ärztin nicht erklären. Dass sie zur Analyse Google benutzt, erzeugt großes Vertrauen. Glücklicher Weise sieht es bei mir nicht so schlimm aus. Wie es in der modernen, westlichen Medizin typisch ist, wird eine Salbe sowie Tabletten verschrieben, falls es sich nicht bessert, sollen wieder wiederkommen. Es wird nicht der letzte Krankenhausbesuch in Vietnam sein…

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Abends setzen wir uns erneut in das Restaurant mit dem herausragenden Service, bevor wir uns in eine Bar setzen, in die wir die nächsten Tage mehrfach wiederkehren werden. Wer die „Hangover“-Filme kennt, erinnert sich bestimmt auch noch an Mr. Chao, den kleinen, quirligen Chinesen – und genauso ist auch Mr. Superman, wie sich der Barbesitzer selber nennt. Nur dass er eben Vietnamese ist. Zusammen mit ihm und seinem Kellner spielen wir einige Runden Jenga und so vergeht der Abend wie im Flug, bevor wir als Abschluss noch ein letztes Bier auf dem Hosteldach genießen.

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Ho Chi Minh Stadt

Die Metropole im Süden von Vietnam ist mit acht Millionen Einwohnern nicht nur die größte, sondern wohl auch die lauteste Stadt des Landes. Zu den acht Millionen Menschen gesellen sich etwa fünf Millionen Roller und hier haben die Menschen es mit dem Hupen wirklich zur Perfektion gebracht. Bei jeder Kreuzung, jedem Überholen und sonst eigentlich auch immer wird gehupt. Man befindet sich ständig einem Geräuschpegel ausgesetzt, der einem die Laune verderben kann. Daran muss man sich aber gewöhnen, zumindest hier in den Städten. Wie in jeder Großstadt steht die Luft in den kleinen Straßen zwischen den hohen Gebäuden und mit der Sauberkeit ist es so: Es gibt quasi keine Mülleimer, man wirft einfach den Müll auf den Boden, allerdings befinden sich permanent Reinigungskräfte im Einsatz. Natürlich ist es trotzdem relativ dreckig und extrem heiß – mit dem Geruch hält es sich überraschend in Grenzen. Mittags trauen wir uns gar nicht auf die Straße, da man es selbst im Schatten nicht aushält. Wir dachten Bali war schon heiß, aber Vietnam legt nochmal eine Schippe oben drauf. Eine andere Herausforderung ist der Verkehr, der im Vergleich zu Bali tausend Mal so chaotisch ist. Es gibt zwar Regeln, aber keiner kennt geschweige denn befolgt sie. Die Polizei achtet nur darauf, dass die Helmpflicht eingehalten wird, und selbst da drückt sie schon mal beide Augen zu. Das Hauptverkehrsmittel ist der Roller und mit ihm wird alles und ich eine wirklich alles transportiert. Regale, Kühlschränke, 100kg Gemüse, Stahlrohre und Stahl für Beton, das ist alles kein Problem. Wer einmal sehen möchte, wie sich drei Kinder und zwei Erwachsene einen Roller teilen, der sollte nach Vietnam kommen. Es ist Teil des Kulturschocks, den wir hier erleben, aber genau das macht das Land für uns so interessant. Es ist furchtbar chaotisch, aber trotzdem funktioniert es irgendwie. Ein Beispiel: Wenn man als Fußgänger eine Straße überqueren möchte, dann muss man einfach losgehen, der Verkehr wird Platz machen. Das kostet am Anfang ein gutes Stück Überwindung, aber es funktioniert.

 

Ein Typischer Strommast in der Stadt

Ein Typischer Strommast in der Stadt

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Tunnel von Cu Chi

Natürlich fällt einem bei Vietnam mit als erstes der Vietnamkrieg ein, der insgesamt 20 Jahre lang im Land tobte. Um die Geschichte ein bisschen besser zu verstehen, fahren wir nach Cu Chi, um uns die Tunnel der Vietcong anzuschauen und zu erleben.
Als wir morgens in den Bus steigen schlägt uns ein Geruch entgegen, als hätte jemand in die Lüftung gebrochen… Wie lange fahren wir nochmal? Drei Stunden?… Wir betreten das Gelände und sofort schallt ein Schuss von weiter her. Ich halte es noch für eine Tonaufnahme, trotzdem schrecke ich zusammen. Uns werden verschiedene Ausstellungsstücke wie Uniformen, Panzer, Waffen und Fallen gezeigt, die einen ersten Vorgeschmack auf die damaligen Erlebnisse bieten.

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Danach geht es dann unter die Erde. In der Hocke kriechen wir durch die sehr engen, heißen Gänge, ich beginne sofort zu schwitzen. Wären hier keine Lichter angebracht, würde ich wahrscheinlich sofort Panik bekommen, obwohl ich eigentlich nicht klaustrophobisch bin. Dass die Guerilla-Kämpfer hier tage-, teilweise wochenlang unter der Erde gewohnt haben, kann ich mir kaum vorstellen.
Im Anschluss an die Tunnel, werden uns Werkstätten und Wohnräume der Vietkong gezeigt, bevor wir weiter durch den Dschungel laufen. Alleine hier zu stehen, empfinden wir als furchtbar anstrengend. Wir sind nass geschwitzt. Die Vorstellung bei solchen Temperaturen mit 20kg Marschgepäck oder mehr durch den Dschungel zu laufen und zu kämpfen, liegt außerhalb unserer Vorstellungskraft. Als wir zur Schießbahn kommen, fällt uns ein weiterer Faktor ins Auge: Die Lautstärke. Was ich anfangs noch für eine Aufnahme aus einem Lautsprecher gehalten habe, sind tatsächlich „richtige“ Schüsse. Auch wir lassen es uns nicht nehmen, die Chance zu nutzen, mit den Sturmgewehren zu schießen.

Momentaufnahme 1 (08.07.2016 15-11) (2)Trotz des Gehörschutzes ist jeder Schuss unangenehm laut. Wie es im Krieg gewesen sein muss, wenn mehrere Soldaten aus nächster Nähe um sich schießen und das ohne Gehörschutz, vermögen wir uns kaum vorzustellen. Man sieht hier im Dschungel häufig wirklich nur 15-20 Meter weit.
Als es dann an das Maschinengewehr geht, steigt doch nochmal die Stimmung. Ich bin weiß Gott kein Waffennarr, aber wo hat man schon einmal die Chance mit so einem Gewehr zu schießen.

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Einmal den Abzug gedrückt und schon ist ein Feuerstoß sowie fünf Euro weg. Die Fahrt hat 10€ gekostet (Kugeln nicht mit inbegriffen)…

 


 

Mekong Delta

Eine der wenigen (eigentlich die einzige) Attraktion(en), die ich schon kannte, bevor ich in das Land kam, war das Mekong Delta. Daher bestand ich darauf eine Tour in das Flussdelta am südlichen Ende des Landes zu buchen.
Das schöne Mekong Delta: Nach mehrstündiger Busfahrt werden wir in kleine Boote gesetzt, mit denen wir den Mekong Fluss überqueren um eine Süßigkeiten- und eine Reisnudelfabrik zu besuchen.

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Anschließend fahren wir mit noch kleineren Booten einen kleinen Kanal entlang, um danach unser Mittagessen mit gefühlt 300 anderen Chinesen einzunehmen.

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Nach einer Nacht im Hotel besuchen wir am nächsten Morgen den bekannten schwimmenden Markt. Allerdings ist dieser hier eher für Einheimische gedacht, da die Verkäufer keine kleinen Mengen anbieten und welcher Tourist braucht schon 20kg Kokosnüsse?

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Im Anschluss fahren wir einen weiteren kleinen Fluss entlang, um eine Plantage zu besuchen und verschiedene Obstsorten zu probieren…

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Das wahre Mekong Delta: So, das mag sich jetzt alles ganz nett anhören; Ein schöner Zweitagestrip durch das ländliche Vietnam mit Übernachtung im Hotel. Natürlich könnte ich hier nur Schönes erzählen, aber ich möchte zeigen, wie es wirklich war…
Schon die Hinfahrt war eine Herausforderung, da es keine 30 Sekunden gab, in denen unser Fahrer nicht gehupt hat, und glaubt mir, ich habe mitgezählt. Das Hupen ist leider in Vietnam einfach nötig, aber wenn man auf einen Parkplatz fährt und dort Leute stehen, dann muss man nicht 9 Mal hupen?! Jedenfalls war an Schlafen während der Fahrt somit nicht zu denken.
Der Besuch in den Fabriken ähnelte mehr einer Kaffeefahrt, auf der man von einer Touristenfalle zur nächsten geschleppt wurde, nur um uns dann unnötigen Kram anzudrehen. Allgemein wurden wir eher als Touristen „abgearbeitet“ und schnell von einem Ort zum nächsten gescheucht.
Die Fahrt im Kanal würde ich persönlich mit einer Gondelfahrt in Venedig vergleichen, denn jeder, der schon einmal in Venedig war, weiß, dass das mehr mit Massenabfertigung zu tun hat, als mit einer romantischen Fahrt zu zweit. Auch hier fuhren bestimmt 40 Boote auf dem etwa einen Kilometer langen Stück hin und her, daher konnte man kaum die Ruhe genießen.
Bestimmt fünf Mal wurden wir darauf hingewiesen, dass es sich bei dem im Preis mit inbegriffenen Mittagessen um „ein kleines Mittagessen“ handelt und man solle sich überlegen, ob man nicht den Fisch extra bestellen möchte. Dass der Fisch umgerechnet 8€ gekostet hat, wurde erst einmal verschwiegen. Die Portion des angeblich so kleinen Mittagessens war in Ordnung, allerdings hätte ich mir warmes Essen gewünscht. Kalter Reis mit kalten Bohnen und kaltem, hartem Tofu schmeckt jetzt nur bedingt gut.
Das Hotel war soweit gut und auch der zweite Tag verläuft weites gehend einwandfrei. Nur eine Sache hat mich noch gestört: Die unglaubliche Verschmutzung. Obwohl unsere Führerin uns davon überzeugen wollte, dass der Mekong Fluss sauber sei, wird jedem schnell klar, dass er es nicht ist. Nur weil ein Gewässer trüb ist, muss es nicht gleich verschmutzt sein – da würde ich zustimmen, vor allem bei einem so stark befahrenen Fluss. Allerdings sah man überall Müll herum schwimmen. Anfangs hatten wir noch Touristen im Verdacht, doch als wir sahen, wie Einheimische komplette Müllsäcke einfach ins Wasser warfen, änderte sich unser Bild. Jetzt ist es wahrscheinlich so, dass die Leute es einfach nicht besser wissen und es keine dementsprechende Infrastruktur zur Beseitigung des Mülls gibt, aber sauer macht es mich trotzdem. Ich möchte keine Werbung für ein Land machen, ich möchte zeigen wie es wirklich ist und das gehört leider auch zu Vietnam…

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Natürlich wissen wir, dass man für 35€ nicht zu viel erwarten darf, auch wenn man hier mit 35€ wesentlich weiter kommt, als in Deutschland. Beispielsweise bezahlen wir für ein Essen mit Getränk 2-3€. Dementsprechend würde ich es so zusammenfassen: Für den Preis war die Tour in Ordnung, allerdings würde ich sie nicht noch einmal buchen. Es hat Olli und mir außerdem nochmals gezeigt, dass wir keine Freunde von geführten Touren sind, bei denen man nur in Gruppen von A nach B gescheucht wird. Wenn uns ein Ort gefällt, dann möchte ich dort auch eine gewisse Zeit verweilen.
Fast schon glücklich kommen wir abends im hektischen Ho Chi Minh an, wo wir einen letzten Abend mit Mr. Superman verbringen.
Ab jetzt geht es immer weiter Richtung Norden. Knapp drei Wochen haben wir noch Zeit um nach Hanoi zu gelangen. Nächster Stopp: Die Bergstadt Da Lat.

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.