Blogventure – We blog our adventure

Die Sonne sticht bereits erbarmungslos, als wir am frühen Morgen unser Hotel verlassen, um zu frühstücken. Selbst jetzt ist es bereits 28°C heiß und wir beginnen sofort zu schwitzen, als wir das geschützte Reich der Klimaanlage verlassen. Ein letztes Mal werden wir auf Russisch angesprochen und uns wird klar; Es ist eine gute Idee, die Touristenhochburg Nha Trang zu verlassen. Wir möchten weg, von Pfaden, die schon von tausenden Touristen breitgetrampelt wurden. Zugegeben, wenn man auf der sicheren Seite sein möchte, dann macht es Sinn, von einer Stadt zur anderen zu fahren und die Zeit entweder im Hotel oder am Strand zu verbringen –  da kann man nicht viel falsch machen, vor allem, wenn man sich erholen möchte. Jedoch möchte ich das wahre Vietnam finden, abseits von Seven-Eleven-Shops, All-you-can-eat-Buffets und Touristengruppen. Ein wenig mehr Ruhe und die wahre Schönheit des Landes, danach sehne ich mich…

Von den Easy Ridern haben wir bereits in Ho Chi Minh und Dalat gehört und auch in Nha Trang wurden wir mehrfach von ihnen angesprochen, jedoch haben wir sie bisher immer abgewimmelt. Wie es der Zufall will, arbeitet auch John für die Easy Rider, allerdings nur als Vermittler. Er verbringt hier den Herbst seines Lebens und stammt eigentlich aus Wellington, Neuseeland. Alleine dafür ist er mir schon sympathisch. Ganz unverbindlich und in aller Ruhe erzählt er uns über die Möglichkeiten, die wir haben, um das Hinterland zu bereisen. Es klingt mehr nach Reiseerzählungen, als nach einem Verkaufsgespräch – wahrscheinlich habe ich ihm deswegen auch so lange zugehört. Das Angebot fünf Tage durch das Hinterland zu fahren und das wahre Vietnam zu entdecken klingt zu gut, um es abzulehnen. Lediglich der Preis ist für asiatische Verhältnisse relativ hoch. Wir müssen für die fünf Tage fast ein Drittel unseres Budgets ausgeben, welches für einen Monat geplant war. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man eine bestimmte Geldmenge zur Verfügung hat und damit noch zwei Monate irgendwie über die Runden kommen muss, wobei man ja noch Reisen möchte. Außerdem wird Thailand teurer als Vietnam werden und wir haben noch überhaupt keinen Plan, was wir dort sehen und unternehmen möchten…
Ich bin jedenfalls von der Tour überzeugt und überrede Olli mitzukommen. Nach dem Frühstück packen wir unsere Rucksäcke und schnallen sie auf King Pro’s Motorrad. Schnell werden die Motorroller auf Funktion überprüft und ich versuche mich zu erinnern, wie das nochmal alles funktioniert. Ich bin seit Jahren keinen Roller mehr gefahren (abgesehen von Bali) und jetzt darf ich im chaotischen(!), vietnamesischen Verkehr gut 1000km zurücklegen – das kann ja was werden. Schnell verabschieden wir uns noch von unserem Hotelier und dann geht’s auch schon los.

Wir biegen auf die Hauptstraße ab und schnell muss man sich wieder an den Verkehr gewöhnen. Es wird gefahren wo Platz ist und die Hupe wird mindestens ein Mal pro Minute gedrückt – Tendenz: eher öfter. Nach nicht einmal fünf Minuten steht mir schon der Schweiß auf der Stirn, jedoch trage ich jetzt schon nur T-Shirt und kurze Hose. Nachdem wir die Zweiräder aufgetankt haben, fahren wir raus aus der Stadt Richtung Norden.

Selbst nach kurzer Zeit schon nassgeschwitzt…

Ich bin jedoch erstaunt in welch kurzer Zeit wir das Chaos hinter uns lassen und stattdessen fast alleine auf der Straße sind. Kaum ein anderer Roller begegnet uns. Ein bisschen kann ich aufatmen, da mir der Verkehr hier wirklich alles abverlangt. Wir machen kurz Rast an einem der vielen Shops am Straßenrand, wo wir uns kalte Getränke kaufen und verschnaufen. Wieder bemerke ich, wie heiß es eigentlich ist. Die kühlende Wirkung des Fahrtwindes existiert hier einfach nicht, daher sehnt man sich nach jedem erbarmenden Fleckchen Schatten. Eigentlich müsste ich auch lange Kleidung tragen, nicht nur als Schutz bei einem Unfall, sondern auch gegen den Sonnenbrand, allerdings fällt es zunächst unter die Kategorie „Heute nicht möglich“.
Wir entfernen uns von der Küste und schlängeln uns auf den sogenannten Phoenix Pass die Berge hinauf, als am Mittag ein Regenschauer einsetzt. Wir setzen die Ponchos auf, decken unser Gepäck ab und fahren weiter. Wenigstens jetzt, scheint die Temperatur etwas abzukühlen. In Deutschland würde es mich wohl total nerven im Regen auf einem Roller zu fahren, hier freut man sich schon fast darüber.

Immer wieder halten wir an, damit King Pro uns etwas über die Einwohner oder die Geschichte des Landes erzählen kann. Natürlich spielt auch der Vietnamkrieg dabei eine entscheidende Rolle.

Die vietnamesische Alternative zu "Tank und Rast"

Die vietnamesische Alternative zu “Tank und Rast”

Wir halten an einem See und zum ersten Mal fällt mir ganz bewusst auf, wie viele vorbeifahrende Vietnamesen uns grüßen. Kinder wie auch Erwachsene winken uns lächelnd zu, als wären wir Superstars. Wir sind weit und breit die einzigen westlichen Menschen und daran wird es wohl liegen. Die Menschen im Hinterland verdienen ihr Geld seltener mit Touristen, da sich kaum jemand hierhin verirrt. Viele leben hier von der Landwirtschaft und verlassen ihre Gegend selten/nie. Wir sind quasi die Ausnahme und dafür werden wir herzlich empfangen.

Es ist bereits dunkel, als wir nach mehr als sieben Stunden Fahrt unsere Destination erreichen. Obwohl der Weg wunderschön war, bin ich froh anzukommen, da sich mein Rücken nach der langen Fahrt anfühlt, wie ein Bügelbrett. Ich bin platt, jedoch begeistert. Beim Abendessen besprechen wir den heutigen Tag und was Morgen auf dem Plan steht. Obwohl ich nur zu gerne mal bei „Locals“ geschlafen hätte, bin ich gerade doch froh, mein eigenes Bett mit normaler Matratze zu haben. Sich jetzt auf eine Bambusmatte oder dergleichen zu legen, rückt für mich ins Unmögliche. Wir schlafen in einem Langhaus, welches typisch für die hier lebende Minderheit ist. Es wird komplett aus Holz gebaut, bietet einen großen Raum und steht als Schutz vor der Monsunzeit auf Stelzen.

Nicht unser Haus, sah aber genauso aus

Schnell schlafe ich unter meinem Moskitonetz ein.

Der heutige Tag diente uns als erste Orientierung und hauptsächlich dazu, in das Hinterland zu gelangen. Ab morgen fahren wir Richtung Norden, entlang der vietnamesisch-kambodschanischen Grenze. Wir werden einen der größten Wasserfälle Vietnams und die Locals besuchen. Und so viel kann ich verraten, es wird einer der besten Tage meines Lebens werden.

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Alexander Hirzmann

This year Alex will take the opportunity to visit New Zealand for about one year. With this, his lifetime dream comes true.